Ein weiteres Statement eines Rorschacher Hausarztes

Die geplante Schliessung unseres Spitals gibt weiterhin zu reden. Nachstehend schildert der Rorschacher Hausarzt Dr. med. Lukas Moll seine Meinung zu dem, was jetzt gerade in dieser Frage abgeht. Voilà:
Ein Trauerspiel
Als Hausarzt in der Stadt Rorschach bin ich zu tiefst traurig über den Entscheid, unser Spital zu schliessen. Der persönliche, unkomplizierte und nahe Kontakt zwischen der Ärzteschaft und dem Spital wird mit Sicherheit nicht nur von uns Ärzten, sondern auch von vielen Patienten schmerzlich vermisst werden. Traurig stimmt mich auch, dass immer wieder behauptet wurde, die Qualität der Behandlung sei nicht mehr gewährleistet. Dies ist in doppeltem Sinne nicht korrekt: zum einen sind die Kaderärzte des Spitals Rorschach allesamt Kaderärzte des Kantonsspitals St. Gallen und somit fachlich mehr als kompetent. Die fehlenden Fallzahlen sind eindeutig hausgemacht. Schon vor langer Zeit hat man angefangen, den Service im Spital Rorschach gegen den Willen der betroffenen Ärzte abzubauen, in dem man beispielsweise die Operationszeiten auf einen reinen Tagesbetrieb gekürzt hat. Im Weiteren wurden auch die beliebten Spezialsprechstunden, welche vom Kantonsspital St. Gallen organisiert wurden, langsam reduziert und dann plötzlich nicht mehr angeboten. Dass somit die Fallzahlen sinken, ist nicht weiter verwunderlich. Man hätte aber auch die erfolgreiche Strategie der Zweitausender Jahre fortsetzen können und den Standort Rorschach als Teil des Unternehmens Kantonsspital St. Gallen fördern und somit die Engpässe am Kantonsspital reduzieren können. Diese Strategie war erfolgreich, erfordert aber von den Verantwortlichen des Kantonsspitals ein klare Bekenntnis für den Standort Rorschach. Und statt mangelnde Zahlen zu monieren, hätte man unter Umständen auch analog zu den Privatkliniken „Gas geben„ müssen.
Traurig stimmt mich, dass wir Hausärzte als wichtigster Partner des Spitals lediglich pro forma zu einem Workshop eingeladen wurden mit der Fragestellung welche Alternativen wir zum Spital Rorschach sehen. Das verantwortliche Unternehmensberatungsteam schien geschockt ob dem Widerstand der anwesenden Ärzte, das Spital zu schließen. Weiter Besprechungen mit der unbequemen Basis fanden nicht statt. Traurig stimmt mich auch, dass sich von ärztlicher Seite kaum jemand zu wehren wagte, was aber auch nicht erstaunt: die Angestellten des Spitals Rorschach konnten sich kaum äußern aus Furcht keine Stelle am Kantonsspital zu erhalten. Die Gegenwehr aus der Bevölkerung mit klaren Äußerungen in sehr gut besuchten Podiumsdiskussionen und auch erfolgreiche Unterschriftensammlungen werden sowohl von der Spitalführung wie auch von der Politik ignoriert. Es werden mit den Spital-Schließungen vermeintlich 75 Millionen Fr. gespart. Dass diese 75 Millionen Fr. uns Prämien- und Steuerzahlern zugute kommen, glaube ich aber leider nicht. Es wird zu einer Verlagerung der Kosten kommen: zum einen werden mehr Behandlungen ambulant durchgeführt, was zu grösseren Aufwendungen im ambulanten Pflegebereich führen wird. Zum anderen werden mit großer Freude Privatkliniken in die sich auftuende Lücke springen und den Service, den das Spital Rorschach über Jahrzehnte geleistet hat, fortführen und somit Geld verdienen, das dem Unternehmen Kantonsspital abhanden kommen wird.
Tatsache ist aus meiner Sicht, dass der Service abgebaut wird, die Kosten nicht sinken werden, (was sich auch an den weiterhin steigenden Kranken-Kassenprämien zeigt), und der Leidtragende der Patient sein wird. Was mich aber sehr traurig und nachdenklich stimmt ist, dass sich immer mehr ein Graben auftut zwischen der Patienten fernen administrativen Führung und dem medizinischen Kerngeschäft. Ob rein betriebswirtschaftliche Entscheide unsere Medizin besser und billiger machen, wage ich sehr zu bezweifeln. Die letzten Jahren haben es bewiesen….
Lukas Moll
Hinweis: Morgen Freitag wird hier im Rorschacher Echo Stadtpräsident Röbi Raths in Sachen Spital Rorschach zu Wort kommen.




1 Kommentar zu "Ein weiteres Statement eines Rorschacher Hausarztes"

  1. Super Statement zur Spital Schliessung, gratuliere zu diesen treffenden Argumenten. Ruth Jung.

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