«Nicht zu den Leuten zu können ist nicht mein Ding»

Röbi Raths ist seit dem 6. Januar 2020 Stadtpräsident in Rorschach. Die ersten 100 Amtstage sind demnächst vorbei und somit auch die «Schonfrist» der medialen Zurückhaltung. Das Rorschacher Echo wollte deshalb vom Stapi wissen, wie es ihm geht und wie er den Wechsel von Thal nach Rorschach erlebt hat.

Du bist nicht mehr Gemeinde-, sondern jetzt Stadtpräsident. Was heisst das für Dich?

Röbi Raths: Thal ist eine grossflächige Gemeinde und erst noch in 3 Dörfer aufgeteilt. Rorschach ist eine kompakte Kleinstadt mit über 9000 Einwohnern, die alles vor Ort anzubieten hat und trotzdem vollumfänglich in den ÖV eingebunden ist. Rorschach ist als Stadt somit deutlich dynamischer als Gemeinden auf dem Land. Auch ist die Verwaltung hier grösser und weiträumiger platziert. Aber das Verständnis für das Führen einer Kommune bringe ich mit und da sind die Unterschiede marginal.

Was sind denn die aktuellen Projekte in der Stadt?

Wir hätten sehr gerne am geplanten Stadtapéro im März über die Unterführung Bäumlistorkel, das Kornhaus, den Kabisplatz und das Schwimmbad und weiteres informiert. Leider war das dann in der aktuellen Situation nicht mehr wie vorgesehen möglich. Aber es ist uns allen klar, dass wir mit diesen Informationen rasch möglichst in geeigneter Form an die Bevölkerung müssen. Da muss jetzt eine Diskussion stattfinden und ich will und muss auch wissen, was die RorschacherInnen davon halten und was sie vorstellen.

Und dann kam der Corona-Virus …

Ja, leider. Und das ganze Drumherum absorbiert auch viel Energie. Als Verantwortlicher der Stadt bin ich der Herausforderung völlig bewusst. Wir müssen innerhalb der Stadtverwaltung die Gesundheit der Mitarbeitenden wie auch das Wohlergehen derer, die uns kontaktieren, im Auge behalten. Das hat momentan absolute Priorität. Die gesundheitlichen Aspekte sind aktuell zentral. Wir haben intern einen Krisenstab gebildet, der zweimal wöchentlich tagt. Bei Bedarf können wir den Rhythmus sofort erhöhen.

Röbi Raths am 18. Januar 2020 in der HPV Rorschach anlässlich einer FDP-Wahlveranstaltung.

Was mich persönlich ein bisschen ärgert, dass auch ich wegen den angesagten Schutzbestimmungen nicht das machen kann, was ich eigentlich am liebsten tue: Kontakt mit der Bevölkerung haben. Das ist zwar auch jetzt möglich, aber die Voraussetzungen sind eben nicht die gleichen, wie wenn man so locker vom Hocker auf die Leute zugehen kann. Jetzt passiert vieles indoor – und das sagt mir nicht so zu.

Bei aller Tragik, welche das Coronavirus mit den vielen Erkrankten und Toten verursacht, gibt es aber auch noch einen wichtigen Punkt. Wir sind als Gemeinschaft aufgerufen, uns dieser Problematik zu stellen. Wir schaffen das nur miteinander, wenn wir auch füreinander da sind. Als Stadt versuchen wir so offensiv wie möglich zu kommunizieren und helfen, wo wir können.

Dein erstes Resümee nach rund 100 Tagen als Stapi?

Seit dem 1. April bin ich offiziell in Rorschach wohnhaft und fühle mich wohl. Ich habe zum Glück schon vor dem Lockdown des Bundesrates sehr viele Rorschacher Geschäfte aufgesucht und mich persönlich vorgestellt.

 In Sachen direktem Bürgerkontakt haben wir wegen dieser ausserordentlichen Lage natürlich noch Luft nach oben. Leider musste die Bürgerversammlung gleich zweimal abgesagt werden und jetzt werden die verwaltungstechnischen Massnahmen am 17. Mai an der Urne beschlossen. Diese Form der Kommunikation ist aber ultimativ nicht mein Ding. Es widerstrebt meinem Naturell. Ich brauche den Kontakt zur Bevölkerung und hoffe daher, dass der Normalzustand rasch möglichst wiederhergestellt werden kann.

Röbi Raths bei der HV der Feuerwehr am 14. Februar 2020.

Und wie geht es dem Röbi persönlich?

Mir geht es gut, ich fühle mich gesund und bin motiviert, hier in Rorschach mein Bestes zu geben. Die aktuelle Situation lässt das zwar nicht im gewünschten Umfang zu, aber die Stossrichtung stimmt für mich. Auch strategisch sind wir gut aufgestellt und ich werde zusammen mit dem Stadtrat sobald es die Situation zulässt eine Klausurtagung durchführen. Aber wie bereits erwähnt liegen die Prioritäten vorerst anders. Der Hauptfokus liegt ganz klar bei all diesen Massnahmen, um dieser Pandemie Einhalt zu gebieten. Stay home!!

Und vielleicht noch ein letztes Wort zu dieser Corona-Problematik. Mir ist durchaus bewusst, dass die von Bund und Kanton getroffenen Massnahmen auch uns RorschacherInnen hart treffen. Aber wir müssen da gemeinsam durch. Ich versuche nach Absprache mit anderen Personen aus der Verwaltung, uns den Alltag nicht noch mehr einzuengen. Das gelingt aber nur, wenn wir uns an die Vorgaben halten. Schon die Sperrung der Hafenmauer ist uns nicht leichtgefallen, aber von einer Schliessung des gesamten Seebereichs wollen wir so lange wie möglich absehen. Wir müssen uns jetzt alle an die Vorgaben halten. Das Ganze ist für alle von uns Neuland, aber wir packen das!

 Danke für dieses Gespräch, lieber Röbi!