Ehrenbürgerrecht für Peter Eggenberger und Ernst Züst

Peter Eggenberger und Ernst Züst haben aussergewöhnliches geleistet. Deshalb wurde ihnen am Sonntagabend in der Kirche Wolfhalden von Gemeindepräsident Gino Pauletti das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Sie gehören beide auch der schreibenden Zunft an und haben so das Vorderland, insbesondere Wolfhalden, in die Schweiz hinausgetragen. Die Rede ist von Peter Eggenberger und Ernst Züst. Gino Pauletti rühmte ihren Einsatz und damit den grossen Dienst an der Allgemeinheit. Beide Herren wirkten trotz hohem Alter unermüdlich weiter.

Im Museum Geschichte greifbar gemacht
Landammann Alfred Stricker zählte im Ausland und in der Schweiz Geehrte auf, um dann auf die Vorderländer zu kommen:  Ueli Jüstrich, Carl Lutz, Peter Eggenberger oder Ernst Züst hätten alle aussergewöhnliches geleistet. Er freue sich deshalb, an diesem besonderen und sicher nicht alltäglichen Anlass die Grussworte der Regierung nach Wolfhalden zu bringen. Die beiden Geehrten hätten sich mit zwei Schwerpunkten verdient gemacht, die gerade heute nicht hoch genug gewichtet werden könnten: Humor und Geschichte. „Mit ihrer langjährigen Tätigkeit haben die beiden Geehrten dem Grundsatz nachgelebt, dass Geschichte eben aus vielen, vielen Einzelgeschichten besteht. Dank Ernst Züsts unermüdlichen Einsatz hat er nicht nur der jetzigen, sondern auch den folgenden Generationen möglich gemacht, dass im Museum Wolfhalden Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes greifbar und begreifbar wird.“

Witz, Geschichten, Anekdoten
„Peter Eggenberger hat einerseits mit der unermüdlichen Sammlung und Verbreitung von Geschichten und Anekdoten aus dem Vorderland ebenfalls Geschichtsschreibung betrieben. Er hat dafür gesorgt, dass nicht nur Humor, sondern auch Witz dank dem Witzwanderweg seit Jahren fest im Vorderland verankert ist.“ Zum Schluss übergab er mit den Worten „Ich gratuliere den beiden Herren zur grossen Ehre. Ehrenbürgerschaft ist für euch lebenslänglich und ab heute fixer Inhalt der Gemeindegeschichte von Wolfhalden“ an Laudator Marcel Steiner, Schwellbrunn.

Freude an Geschichte schon in Wiege gelegt
„Ernst Züst wurde 1931 in Wolfhalden geboren und ist hier zusammen mit vier Brüdern aufgewachsen. Der Vater war Bauer und Seidenweber. Drei oder vier Kühe standen im Stall, was damals einem mittelgrossen Betrieb entsprach.“ Als Briefträger engagierte sich Ernst Züst in seiner Gewerkschaft, der PTT-Union, war im Gemeinderat in Heiden, Präsident der Sozialdemokraten. Nach seinem Umzug nach Wolfhalden gehörte Ernst Züst während 14 Jahren hier dem Gemeinderat an, später wurde er ins Kantonsgericht gewählt. Die Freude an Geschichte sei ihm wohl schon in die Wiege gelegt worden, denn als richtige Leseratte hätten im Elternhaus Züst nur die Bilderbibeln, die Walser-Chronik und die Appenzeller Urkundenbücher zur Verfügung gestanden.

Ortsmuseum initiiert
„Auf Initiative von Ernst Züst bildete sich im Juli 1977 ein Komitee für die Gründung eines Ortsmuseums.“ Es folgte die Gründung eines Museumsvereins, der im kommenden Jahr vom Jubilar 40 Jahre präsidiert wird. „Seit vierzig Jahren ist Ernst Züst Motor und Seele des Museums Wolfhalden.“ Er habe daraus ein Kleinod in der Appenzeller Museumslandschaft, ein Kulturgüterarchiv, eine Stätte der Wissensvermittlung, ein Ort der Begegnung, ein wichtiges Instrument zur Förderung lokaler und regionale Identität gemacht. Ausserdem rettete Züst als Vorstandsmitglied des Heimatschutzes Apenzell Ausserrhoden um die bemalte Stube der Alten Mühle Wolfhalden zu retten. Weiter schrieb Ernst Züst lokalhistorische Beiträge für die Tageszeitungen, Broschüren sowie Gemeindegeschichten.

Fremdenlegion, Lehrer, Publizist, Ehrenbürger
Peter Eggenberger, 1939 geboren, durchlief die Schule in Walzenhausen. Um der Enge des Elternhauses, seine Eltern gehörten den Zeugen Jehovas an, zu entkommen, absolvierte er die Drogistenlehre in St. Gallen, arbeitete später in Sissach. Danach unterschrieb er in Marseille für fünf Jahre Fremdenlegion. Zurück im Appenzellerland wurde er Lehrer und Logopäde. Zweierlei fasziniert Peter Eggenberger: Die Sprache und die Menschen. Seit 50 Jahren arbeitet er als Journalist, wobei die Zeit der Fremdenlegion sein Auge für die Eigenheiten der Heimat schärfte. So verfasste er mit den Brüdern Ernst und Walter Züst die Chronik der Gemeinde Walzenhausen. Viel Material konnte nicht verwendet werden. Daraus entstanden seine Mundart-Bücher.

Botschafter der Region
„Nach wie vor ist Peter Eggenberger viel unterwegs, reist in der ganzen Ostschwiez umher und sorgt bei Vereinen, Firmen, Hotels und Seniorenanlässen vür heitere Stimmung. So ist er nicht nur Chronist einer Region, sondern ebenso deren Botschafter.“ Ausserdem verfasste er bisher auch zwei Kriminalromane und 1993 rief er zusammen mit Peter Baer, damaliger Wirt der Krone Wolfhalden, den Witzweg ins Leben.

Marcel Steiner endete: „Am meisten beeindruckt mich sowohl an Ernst Züst als auch an Peter Eggenberger die Intensität, die Hartnäckigkeit und die Ausdauer, mit der sie am Werk waren, am Werk sind und hoffentlich noch lange am Werk sein werden. Ernst Züst und Peter Eggenberger sind Heimatforscher im besten Sinne des Wortes.“ Umrahmt vom Flötenensemble der Kantonsschule Wolfhalden übergab Gino Pauletti Ernst Züst und Peter Eggenberger Urkunde und süsse Stärkung. Beide Geehrten dankten anschliessend den vielen Helfenden während ihrer Projekte.

Das Beitragsbild zeigt von links Marcel Steiner, Ernst Züst, Peter Eggenberger, Alfred Stricker und Gino Pauletti in der Kirche Wolfhalden nach der Ehrung. (Text/Bild: Isabelle Kürsteiner)




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