2019 wird ganz bitter: Keine Eisarena, kein neuer Stapi

Für einmal ein etwas anderer Ausblick auf das soeben begonnen Jahr. Rorschach wird im Jahr 2019 unglaublich viel mediale Präsenz haben. Die Ursachen dafür sind ganz unterschiedlicher Natur:

Januar: Die Eisarena wird nicht in Betrieb genommen. Das Hoch «Thomas» beschert uns Temperaturen von knapp 30 Grad. Eismeister Sepp Bucher wirft völlig entnervt das Handtuch und meint trocken, aber mit finsterer Miene: «Wer jetzt noch was von wegen Erderwärmung oder Klimaveränderung sagt, lebt gefährlich».

Februar: Grosseinsatz der Rettungskräfte auf Schloss Wartensee. Die Vampirnacht endet im Fiasko, weil sich drei echte Blutsauger unter das Publikum gemischt haben. Die Polizei ist bei den Ermittlungen vor Ort nicht nur rat-, sondern auch machtlos. «Da sehen fast alle gleich aus. Die einen einfach ein bisschen bleicher», sagte ein Polizeisprecher.

März: Am Montag, 18. März, herrscht Hochbetrieb im Rorschacher Rathaus. Ab 14 Uhr strömen Massen ins ehrwürdige Haus, um rechtzeitig vor 18 Uhr die Kandidatur für das Amt des Stadtpräsidenten zu deponieren. Der in Aussicht gestellte Lohn hat da alle Strategien der Parteien im Keim erstickt. Trotz Geburtstag kein Freudentag für Stadtschreiber Marcel Aeple, der kurz vor Mitternacht noch nicht genau sagen konnte, wie viele sich da gemeldet haben. «Wir zählen und zählen. Es dürften am Schluss so zwischen 850 und 900 Kandidaturen sein, davon bis jetzt sicher 621 Frauen».

April: Der FC RG 17 beginnt als Leader die Rückrunde. Mit 3975 ZuschauerInnen wird ein schweizweit neuer Rekord für ein 2. Liga-Meisterschaftsspiel aufgestellt. Die neue Wirtin auf Kellen ist von den obligaten 50 bis 75 Unentwegten ausgegangen, die sich diesen einzig real existierenden Fussball noch antun. Nicht zu eruieren ist, ob all die Leute nun wegen den Fussballern und deren sexy Beinen oder der neuen Wirtin nach Kellen geströmt sind. Der FC hat sein erstes Spiel mit 2:8 verloren, da sich die Spieler mehr auf das Publikum als auf den Match konzentrierten. Und es soll Matchbesucher gegeben haben, die weder Bier noch Wurst, geschweige denn die Tore zu Gesicht bekommen haben. Bei knapp 4000 MatchbesucherInnen auch kein Wunder. Auf dem Pesta wäre der Notstand ausgebrochen. Der FC RG 17 wird trotzdem aufsteigen und das mit den Besuchenden der Spiele pendelt sich auch wieder auf ein realistisches Niveau ein. Aber das mit dem „Hopp FCRG17“ bleibt ein Zungenbrecher.

Mai: Der Wahlsonntag für das Amt des Stadtpräsidenten wird live von SRF übertragen. Für die Übertragungswagen der Weltpresse hat es keinen Platz mehr, da der Kabisplatz gesperrt ist. «So ein Kabis», lässt sich ein nicht näher genannt sein wollender Reporter zitieren. Obwohl die Wahlurnen um 12 Uhr geschlossen werden ist die Auszählung nach Mitternacht noch im Gange. «Vollkrassgeil», meint einer der 872 Kandidierenden. Das mit dem absoluten Mehr bringt das Fass zum Überlaufen. Oder anders gesagt: Es hat niemand mehr den Überblick. Noch Stapi Thomas Müller macht Andeutungen in Richtung, dass er solange im Amt bleibt, bis man da den Durchblick hat. Ab diesem Zeitpunkt steht er unter Schutz.

Juni: Das Stadtfest hat einen neuen Platz. Wegen der grossen Dürre ist das ganze Hafenbecken ausgetrocknet und da hat das OK diese einmalige Chance am Schopf gepackt und die ganze Infrastruktur statt an den Hafen in den Hafen gestellt. Der Ansturm der FestbesucherInnen bleibt aus. Viele trauten dem Wasser nicht, einige waren da ehrlicher: «Ich kann ja gar nicht schwimmen».

Apropos Stapi-Wahlen: Der auf Ende Juni angesetzte 2. Wahlgang wurde ersatzlos gestrichen. Das Ergebnis von Wahlgang 1 steht immer noch aus. Noch Stapi Thomas Müller sagt nichts mehr und kann sich wieder frei bewegen.

Der FC RG 17 kann sein Aufstiegsfest nicht durchführen. Teile des Vereins wollen, dass dies in Goldach passiert, was für den anderen Teil kein Thema ist. Rorschacherberg als Austragungsort kommt auch nicht in Frage. FC-intern nimmt man das auf die Pendenzenliste, damit beim nächsten Aufstieg wirklich ein Fest stattfinden kann.

Juli: Wüste Szenen auf der Arionwiese. Die beiden neuen Bundesrätinnen aus SG und VS gehen nicht nur verbal aufeinander los und wollen ihre magistralen Botschaften an der gemeinsamen Bundesfeier kundtun. Das Fernsehen zieht unverrichteter Dinge ab und vernichtet schon in der Arionunterführung alles Bildmaterial. «Die internationalen Agenturen nehmen nichts mehr von uns, schon gar nicht, wenn es aus Rorschach kommt», sagt einer von SRF und fragt dann ganz leise: «Wer hat eigentlich die Stapiwahl gewonnen?»

August: Der Start für die zweiten Strandfestwochen verläuft problemlos. Jeder Journalist hat sein eigenes Toi-Toi und auch die sonst vorhandenen WC-Häuschen können sich sehen lassen. Die Messstationen im See werden rasch wieder abgebaut. Mit ihnen wollte man messen, um wie viele Grade der See wärmer wird, wenn da alle kreuz und quer rein pinkeln. Deutlich gesitteter geht es bei den Sandskulpturen und dem Beachevent aus. Es wird aber weder gesändelet noch gespielt. Der Sand ist viel zu heiss.

September: Die Frage «Sind wir allein in diesem Universum?» wird mit einem klaren «Nein» beantwortet werden. Am Vorabend der herbstlichen Tag-Nacht-Gleiche werden über dem Bodensee so etwas wie UFO’s gesehen. Als diese dann schön in Formation sogar noch die Badhütte als Andockstation benutzen, ist es um die Beschaulichkeit unseres Rorschachs geschehen. Der so genannte «Erste Kontakt» wird also in Rorschach stattfinden – und niemand ausserhalb der Rorschacher Echo-Leserschaft wird davon erfahren. Alle Medien, ob nun regional, national, international oder interstellar, winken ab: Aliens, die in Rorschach landen gibt es nicht. Das seien genau diese Fake-News und es sei unseriös, damit von den eigenen Zählproblemen abzulenken. Die Aliens sind so was von konsterniert. Da düsen sie durch die halbe Galaxie und stolpern ausgerechnet über unsere Stapiwahl. Daran wird man sich noch in 5000 Jahren erinnern. Eigentlich wollen sie uns eine Doku über ihre Heimat zeigen. Jetzt müssen wir bis am 19. Dezember warten. Dann läuft Star Wars 9 in den Kinos an.

Oktober: Die Rorschacherinnen und Rorschacher dürfen sich nicht an den National- und Ständeratswahlen beteiligen. Was eigentlich nach Skandal tönt, ist bei genauerer Betrachtung so etwas von logisch. Bern und St. Gallen stellen sich quer und sagen übereinstimmend: «Macht erst mal reinen Tisch mit der Wahl vom letzten Mai. Man darf nämlich erst dann wieder auszählen, wenn da keine Pendenzen mehr rumliegen. Sonst wissen wir in der Schweiz noch nach Weihnachten nicht, wer da im Ständerat und Nationalrat sitzt. Definitiv fest steht (und amtlich beglaubigt!): Thomas Müller kandidiert nur noch für den Nationalrat und hofft dort auf eine Wiederwahl, obwohl ihn die eigenen Leute gar nicht wählen dürfen.

November: Der traditionelle Rorschacher Klauseneinzug wird abgesagt. Die Rorschacher Chläuse haben keine Lust, wegen dem seit dem 1.1.19 geltenden Verhüllungsverbot eine individuelle Erklärung abzugeben und darin zu bezeugen, dass sie trotz Verhüllung nichts Böses im Sinn haben. Da kommen dann Erinnerungen an den Februar hoch. Da wusste man auch nicht, wer der Vampir ist und wer nicht und jetzt wird die Frage «Wer ist denn da der Chlaus?» schon im November statt erst im Dezember zur Gretchenfrage. Noch bis vor wenigen Tagen gingen alle davon aus, dass die eigentlichen Chläuse die Stimmenzähler der Stadt sind. Okay, lassen wir das.

Dezember: Spezialeinheiten der Eingreiftruppe der Bundespolizei stürmen die Redaktionsräume des «Rorschacher Echos» und wollen damit verhindern, dass die Veröffentlichung der Aussichten für 2020 nicht völlig aus dem Ruder läuft …

Die Stadtverwaltung will in der ersten Januarhälfte 2020 bekannt geben, wie es bei der Stapiwahl weitergehen soll. Der «Runde Tisch» wird wieder ins Spiel gebracht und auch gleich wieder beerdigt. Man will sich auf eine ovale Form mit zwei kleinen Ecken einigen, aber ohne „plus“, da dies eher „minus“ ausgelegt wird. Die Medien nehmen das nicht einmal mehr zur Kenntnis. Das Rorschacher Echo schon  …




2 Kommentare zu "2019 wird ganz bitter: Keine Eisarena, kein neuer Stapi"

  1. SCHMUNZEL…SCHMUNZEL…liebes Echo, passt! Ein spannendes und newsgeladenes Jahr wünscht Justin

  2. Da ist ja der Jahreskalender schon reichlich gefüllt. Ich freue mich auf die Aliens. Beam me up Brüderchen

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