Ein bisschen mehr als der Blick in die Kristallkugel …

Gestern Abend hat die Volkshochschule Rorschach zu einem mega spannenden Vortrag in die Pädagogische Hochschule Mariaberg eingeladen. Es ging um die Megatrends der nächsten 10 Jahre und den berühmten Blick darauf richtete kein geringerer als Morell Westermann, Trend- und Zukunftsforscher beim Softwaregiganten Microsoft.

Häufige Denkfehler setzte Morell Westermann an den Anfang seines Referats. „Wenn man in die Zukunft blickt, dann macht man das oft sehr linear. Man schaut, wie die Entwicklung in den letzten Jahren verlief und geht dann automatisch davon aus, dass es in etwa so weitergehen wird. Genau deshalb ist es falsch, von einem linearen Wachstum auszugehen. Technologische Entwicklungen haben ein anderes Muster. Entweder, sie geraten in Vergessenheit oder sie gehen nach längerer Anlaufzeit plötzlich durch die Decke. Das nennt man dann exponentielles Wachstum. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Trend sichtbar wird, dann ist es bereits kein Trend mehr, sondern eine Sache, deren exponentielles Wachstum gerade begonnen hat“, sagte er gestern vor rund 80 BesucherInnen des Anlasses.

Mit einem interessanten Video (oben), zeigte er unter anderem auf, wie möglicherweise ganze Berufsgruppen bedroht sein werden, vorausgesetzt, der Roboter ist günstiger als der menschliche Mitarbeiter. Dieser Punkt wird irgendwann kommen und es gibt zahlreiche Berufe, die verschwinden werden. Der Einwand, dass der spezialisierte Mensch unersetzbar sei», wird sich laut Morell Westermann als falsch erweisen.  „Ein Algorithmus kann schon heute bestimmte Krankheiten besser erkennen als ein Arzt“, sagt er und entkräftet gleich die Meinung, dass eine Maschine ist nicht zu Kreativität fähig sei und dies dem Menschen vorbehalten sei. „Die Frage ist eher die, wie viele Berufe wirklich kreativ sind. Computer können jedenfalls schon heute Layouts erstellen, Programmiercode schreiben, Filmtrailer zusammenschneiden und selbständig Musik produzieren“, so Westermann.

Wer gute Ideen hat, kann diese umsetzen. Es können neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Das ordnet die Chancen auf der Welt völlig neu. Diese Möglichkeiten stehen plötzlich auch anderen als bisher zur Verfügung. „Wir können kaum abschätzen, was in den nächsten 5 Jahren passiert. Wenn wir heute über Algorithmen lächeln und sie als ‚dumm‘ bezeichnen, dann sei Vorsicht angebracht“, mahnt Morell Westermann. „Diese ‚Dummheit‘ wird in ein paar Jahren verschwunden sein.“ Er zeigte in seinem Vortrag auf, wie sich die Bildung verändern wird, Häuser gebaut werden, die fast nichts mehr kosten und dass das Auto als Statussymbol das Auslaufmodell schlechthin sei. „Glauben Sie mir, die Autos werden wir nicht mehr so brauchen, wie das heute der Fall ist“.

Morell Westermann hat Verständnis, wenn solche Aussichten auch Angst machen, da sie immer ausserhalb des eigenen Vorstellungsvermögen liegen. Und zum Schluss wurde er auch noch deutlich: „Diese Technologien werden aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kommen. Sie werden uns das Leben erleichtern. Sie werden bestehende Probleme lösen. Sie werden Grenzen abbauen, neu definieren. Und wir werden sie keinesfalls verhindern, indem wir uns sperren oder uns die gute alte Zeit wieder herbeisehnen.“ Fazit: Ein spannender Vortrag, der in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregt. Ob die aktuellen technologischen Entwicklungen zum Untergang der Gesellschaft führen oder wir bald im Paradies leben, wird sich weisen. Morell Westermann ist überzeugt, dass die Trends in eine gute Zukunft führen. Hoffen wir, dass er recht behält.

Und ganz am Schluss noch eine ganz persönliche Meinung: Manchmal bin ich froh, schon 64 Jahre alt zu sein und man im heraneilenden Alter auch nicht mehr mit dem gleichen Enthusiasmus früherer Zeiten jede sich abzeichnende Veränderung internalisieren muss. Wahrscheinlich auch in einer digitalisierten Welt ein Privileg.

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