Der Abstimmungskampf rund um die geplante „Kantonsstrasse zum See“/“Anschluss Witen mit Zubringer“ ist lanciert. Gestern haben Gegner wie Befürworter mit Medieneinladungen orientiert. Das St.Galler Stimmvolk wird am 8. März darüber befinden. Zu dieser Vorlage finden in der Region noch 2 Podiumsdiskussionen statt:
Eine erste findet am Mittwoch, 4. Februar 2026, 19.30 Uhr, in der Aula Steig in Rorschacherberg statt – organisiert von der Mitte Ortspartei Rorschacherberg und der Mitte Regionalpartei Rorschach. Siehe Flyer unten.
Am Montag, 9. Februar 2026, lädt das «St. Galler Tagblatt» ab 19 Uhr in den Stadthof Rorschach zur Klärung der Frage, ob der Anschluss an die A1 und die Kantonsstrasse hinunter zum Bodensee Fluch oder Segen sei. Moderiert wird der Abend im Stadthof von Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion und Judith Schönenberger, Reporterin. Beide Podiumsdiskussionen sind öffentliche Veranstaltungen und demzufolge frei zugänglich.
Nachstehend die gestern verschickten Medienmitteilungen der Gegner wie der Befürworter:
Nein-Komitee eröffnet Abstimmungskampf gegen die Megastrasse zum See
„Die geplante «Kantonsstrasse zum See» mit dem Autobahnanschluss in Goldach und Rorschach weckt Widerstand. Eine breite Allianz aus Verbänden und Parteien bekämpft die Vorlage – aus vielerlei Gründen.
Der dicke Nebel versperrt die Seesicht. Normalerweise hätte man aus dem ehemaligen Restaurant Hohrain in Goldach eine perfekte Sicht auf den See und einen der letzten unbebauten Hänge der Stadt. Der Ort der Medienorientierung wurde von den Vertreter:innen des Nein-Komitees zur Megastrasse zum See nicht zufällig ausgewählt: Am Hang soll – wenn es nach den Plänen des Kantons geht – bald eine Grossbaustelle stehen. Ein neuer Tunnel Hohrain soll den Auto- und Schwerverkehr noch direkter von der Autobahn in die Zentren von Goldach, Rorschach und Rorschacherberg bringen.
Die Vorlage steht am 8. März zur Abstimmung. Das Projekt umfasst einen dritten Autobahnanschluss und eine neue Megastrasse bis zum See hinunter. Gut zwei Kilometer Strasse, die insgesamt 330 Millionen Franken kosten soll. «Das bedeutet: Ein einziger Meter dieser Strasse kostet rund 150‘000 Franken. Das ist ein absoluter Rekord», rechnet Noam Leiser, Präsident der SP Kanton St.Gallen. «Noch nie wurde im Kanton St. Gallen so viel Geld für so wenig Strasse ausgegeben.»
Überdimensioniertes Bauprojekt
Tatsächlich kostete beispielsweise bei der Umfahrung Bütschwil ein Meter Strasse «nur» 52‘600 Franken. Und das, obwohl es dort noch 1,4 km Tunnel gibt. «Das ist kein gewöhnliches Infrastrukturprojekt, sondern ein völlig aus dem Ruder gelaufenes Prestigeprojekt», so Leiser. Ruedi Blumer, Präsident des VCS St.Gallen/Appenzell, fügt hinzu, dass der Verkehr auf den betroffenen Strassen in den letzten Jahren gar leicht zurückgegangen sei. So steht es auch im Umweltverträglichkeitsbericht :«Tendenziell nimmt der Verkehr eher ab», ist dort zu lesen. «Das ist erfreulich, spricht aber bestimmt nicht für eine neue Luxusstrasse», so Blumer.
Margrit Zürcher, Anwohnerin aus Goldach, weist auf die Belastung für die lokale Bevölkerung hin: «Wir sind schon heute geplagt von Autoposern.» Die neue Strasse würde mitten durch ihr Quartier führen und mehr Verkehr mit noch mehr Lärm, Klimagase, Feinstaub und Pneuabrieb verursachen. Eine ganze Häuserreihe, die heute günstigen Wohnraum für Familien bietet, müsste weichen. Ebenso ein Pflegeheim, das heute ein Zuhause für Menschen mit Demenz ist. Das Heim wurde erst 2008 mit einem Neubau erweitert, um die Menschen in zeitgemässen Räumen zu betreuen.
Kulturland würde zerstört
Doch nicht nur für die Quartiere, auch für die Landwirtschaft und letzlich die Ernährungssicherheit hätte das Strassenbauprojekt negative Auswirkungen. Daniel Bosshard, Präsident der Grünen im Kanton St.Gallen, nenntdie schützenswerten Fruchtfolgeflächen als Beispiel. «In einer Zeit der unsicheren Weltlage, in der gerade auch von bürgerlicher und landwirtschaftlicher Seite immer wieder darauf hingewiesen wird, dass die Versorgungssicherheit der Schweiz gewährleistet werden muss, darf nicht wertvolle Landwirtschaftsfläche für ein unnötiges Luxus-Strassenprojekt geopfert werden.»
Alternativen sind bereits da
«Nachhaltige Entwicklung setzt auf Massnahmen, die den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen entsprechen», sagt Franziska Ryser, Co-Präsidentin von Umverkehr. «Die Realität zeigt deutlich, dass diese Entwicklung bereits stattfindet. Trotz Bevölkerungswachstum ist das Verkehrsaufkommen in den letzten Jahrzehnten kaum gestiegen. Nicht, weil die Menschen weniger mobil wären – sondern weil sie anders mobil sind.» Mehr Strassen erzeugen mehr Verkehr, darüber ist man sich in der Wissenschaft einig.
Ryser zeigt aus dem Fenster auf die grüne Wiese: «Die Bodenseeregion lebt von ihrer schönen Landschaft, von der Nähe zum See, von ihrer hohen Aufenthalts- und Lebensqualität. Eine überdimensionierte Verkehrsinfrastruktur mitten in diesem sensiblen Raum gefährdet diese Qualitäten.» Der See ist immer noch unter dem Nebel verborgen. Als wolle er sich vor dem drohenden Verkehr verstecken.“
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Ja zu starken Regionen, Ja zu einem starken Kanton / Breite Allianz kämpft für ein Ja zur Kantonsstrasse zum See
„Die Kantonsstrasse zum See geniesst breite Unterstützung der Standortgemeinden, der Regierung, des Bundes, der Parteien GLP, EVP, Die Mitte, FDP und SVP sowie zahlreicher Verbände. An einer Medienkonferenz hat das breite Ja-Komitee seine Kampagne zur Abstimmung vom 8. März 2026 lanciert: Die Kantonsstrasse zum See als Gesamtlösung bringt den Menschen vor Ort spürbare Entlastung, mehr Lebensqualität, löst bekannte Probleme und fördert die nachhaltige Entwicklung der Region und des Kantons St.Gallen.
Am 8. März 2026 stimmt die St.Galler Bevölkerung über den Bau der «Kantonsstrasse zum See» und den «Anschluss Witen mit Zubringer» ab. Nach der klaren Zustimmung der Standortgemeinden, des Bundesrats, der Regierung sowie des Kantonsrats lancierte das breite Ja-Komitee, bestehend aus GLP, EVP, die Mitte, FDP und SVP sowie den kantonalen und lokalen Wirtschaftsverbänden, dem Hauseigentümerverband, dem Automobil- und Transportgewerbe sowie den Mobilitätsverbänden TCS und ACS, im Rahmen einer Medienkonferenz in Rorschach ihre Kampagne zu diesem wichtigen Gesamtprojekt.
Ein Gesamtprojekt, das überzeugt
Dabei geht es um weit mehr als eine Strasse. Die Kantonsstrasse zum See steht für eine langfristige Lösung, die Ordnung ins Verkehrsnetz bringt und die Grundlage für eine zukunftsfähige Entwicklung der Region schafft. Sie ist Teil einer über Jahre erarbeiteten Mobilitätsplanung, die gemeinsam mit den Gemeinden entstanden ist. Der Durchgangsverkehr wird gezielt dorthin gelenkt, wo er hingehört: auf eine gut ausgebaute und sichere Verbindung abseits der Wohnzonen.
Entlastung. Lebensqualität. Entwicklung. Arbeitsplätze
Heute wälzt sich der Verkehr durch dicht besiedelte Quartiere – vorbei an Schulwegen, Spielplätzen und Wohnhäusern. Die neue Verbindung entlastet diese Räume spürbar, reduziert Lärm und erhöht die Sicherheit im Alltag. So entstehen neue Freiräume in den Quartieren, die Lebensqualität steigt und auch das lokale Gewerbe sowie die damit verbundenen Arbeitsplätze werden gestärkt.
Ein Vorzeigeprojekt – ganzheitlich geplant und fair finanziert
Die Kosten von rund 267 Millionen Franken werden gemeinsam von Bund, Kanton und Gemeinden getragen – ohne Mehrbelastung für die Steuerzahlenden. Die Strasse wird aus dem Strassenbaufonds finanziert, wie es in solchen Fällen vorgesehen ist. Und: Sie wird ergänzt durch neue Veloverbindungen, sichere Übergänge und einen starken Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Die Planung ist sorgfältig, nachhaltig und zukunftsgerichtet.
Den Kanton gemeinsam vorwärtsbringen
Die breite politische Unterstützung und die klaren Entscheide der Standortgemeinden zeigen den Rückhalt für das Projekt. Auch weitere Gemeinden haben ihre Unterstützung beschlossen oder angekündigt. Der Entscheid vom 8. März ist damit nicht nur für die Region von Bedeutung. Er steht auch für den Umgang mit gut vorbereiteten, breit abgestützten Projekten im Kanton St.Gallen. Wenn solche Lösungen vorliegen, müssen sie umgesetzt werden können. Ein Ja zur Kantonsstrasse zum See ist deshalb ein Ja zu Verantwortung, Verlässlichkeit und einer handlungsfähigen Politik.“
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