Fawad G. musste für seine Zukunft kämpfen

Fawad G. steht am Ende seiner zweijährigen Ausbildung als Küchenangestellter EBA beim HPV Rorschach und am Beginn seiner beruflichen Zukunft. Das Qualifikationsverfahren zur Erlangung des Kompetenzausweises steht kurz bevor. Der junge Mann hat in seinem Leben bereits viel erlebt und durchlitten. Seine Erlebnisse haben ihn gestärkt. Er schätzt die Zukunftsperspektiven, die er dank seiner Ausbildung bekommen hat.

Seine Aufregung ist ihm anzusehen. Trotzdem arbeitet Fawad G. möglichst konzentriert in der Grossküche des Betreuten Wohnens im HPV-Dörfli, Rorschach. Sein Ausbildner, Werner Fuchs, überwacht alle Arbeitsschritte als Rolle des Experten. In der Cafeteria warten am festlich gedeckten Tisch die geladenen Gäste auf das Menu, das Fawad G. als Vorbereitung auf die Prüfungssituation exklusiv für sie zubereitet. Einen griechischen Salat als Vorspeise, Rindssaftplätzli Metzgerart als Hauptgericht und das von Fawad G. selbst kreierte Dessert, ein Erdbeerschaum-Gefrorenes mit Kiwisauce und Kokosmakronen, begeistern die Gaumen der Gäste. Sie beurteilen die zubereiteten Speisen nach Geschmack, Konsistenz und wie diese auf den Tellern angerichtet sind. Der Applaus der Gäste belohnt ihn für seine Arbeit. Die anfängliche Aufregung weicht. Er strahlt über seinen Teilerfolg. Das eigentliche Qualifikationsverfahren steht ihm jedoch noch bevor. Er darf diesem gut vorbereitet und zuversichtlich entgegensehen.

Werner Fuchs (links) freut sich über die Leistung von Fawad G.

Als Kind auf der Flucht
Fawad G. meisterte in seinem jungen Leben bereits grössere Prüfungen. In Afghanistan geboren und aufgewachsen verliess er im Alter von 12 Jahren seine Familie und die Heimat, um dem Krieg zu entfliehen. Seine erste Station führte ihn in den Iran, wo er in einer Schneiderei arbeitete. Auch seine Familie musste flüchten. Sie fanden in Teheran wieder zusammen. Menschen aus Afghanistan sind im Iran nicht gern gesehen. Das musste auch Fawad G. und seine Familie erfahren. Fawad G. setzte seine Flucht fort, die beschwerlich und gefährlich war, und ihn durch einige Länder bis in die Schweiz führte. Fawad fällt es heute noch schwer, über Details seiner Flucht und Reise ins Ungewisse zu sprechen: «Auf einmal ist man ganz allein. Man kämpft um sein Leben auf der Flucht. Ein Überlebenskampf, den man niemandem wünscht.»

Ausbildung und Zukunft ohne Krieg
In der Schweiz wohnte er in verschiedenen Asylzentren, bevor er im HPV Rorschach sein vorübergehendes Daheim fand. Die Sprache war sein grösstes Hindernis. Fawad G. ist ein Kämpfer. Er lernte schnell, die ihm fremde Kultur zu verstehen und etwas Deutsch zu sprechen. Im Asylzentrum bekam er eine Betreuerin zugeteilt. Gezeichnet durch all seine traumatisierenden Erlebnisse benötigte er Zeit, um Vertrauen zu seiner Betreuerin aufzubauen. Diese unterstützte ihn dabei, einen Ausbildungs- und Wohnplatz im HPV Rorschach zu finden. «Ich fühle mich da sicher und gut aufgehoben», so Fawad G. Und wie sehen seine Träume aus? «Ich möchte nach meinem EBA-Abschluss als Koch in einem Asylzentrum arbeiten. Dort werde ich mit Menschen aus meiner Heimat kochen.» Seine Heimat Afghanistan wird er immer im Herzen tragen. Heimat ist der Ort, wo man sich sicher und gut aufgehoben fühlt. Beim HPV Rorschach hat er ein Stück Heimat gefunden und eine fundierte Ausbildung erhalten. Das ermutigt ihn, seine Chancen in der Schweiz wahrzunehmen. Er freut sich auf eine sichere Zukunft ohne Krieg.

Neben Fawad G. schliessen 19 weitere junge Menschen ihre Ausbildung beim HPV Rorschach ab. Der HPV Rorschach bietet rund 25 Ausbildungsangebote in rund zehn Berufsfeldern im geschützten Rahmen an. Um den individuellen Fähigkeiten gerecht zu werden, stehen zwei- bis vierjährige Berufsbildungsmodule zur Auswahl. Lernende erhalten die notwendigen Unterstützungen für ihre Ausbildung und ein vorübergehendes Zuhause in der HPV-Wohngemeinschaft, damit sie wie Fawad G. ihren Weg in ein eigenständiges Leben finden. (Text/Bilder: pd hpv)




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