Was kommt nach dem Spital? GNZ als Mogelpackung?

Der Rorschacher Hausarzt Dr. med. T. Chlibec äussert nachstehend seine Gedanken zur angedachten Schliessung des Spitals Rorschach. Voilà:

„Kantonsspital und Regierung haben ihren Willen bekommen. Man folgt dem Zeitgeist. Ob zum Vorteil oder zum Nachteil der Bevölkerung, wird sich zeigen. Die Unterstützung für eine Fortführung des Spitals in den umliegenden Gemeinden durch die Ortspolitik war zu gering. Die Stimmen aus der Bevölkerung zum Erhalt des Spitals  sind ohne Wirkung verpufft. Nun werden Privatspitäler profitieren, die scheinbar rentabel die Patienten versorgen können, die man bislang im Spital Rorschach behandelt hat, was das Kantonsspital als Eigentümer des Spitals nach eigenen Angaben nicht schaffen konnte. Es bleibt zusätzlich zu befürchten, dass durch steigende Anzahl von Behandlungen im Kantonsspital die Gesundheitskosten noch weiter unter Druck geraten.

Als Hausarzt werde ich eine rasche, unkomplizierte, dabei qualitativ hochwertige Behandlung mit Augenmass in Ortsnähe vermissen, was u.a. ältere Patienten besonders geschätzt haben. Schmerzlich ist neben dem Verlust an Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in der Region zur Unzeit (Stichwort Coronafolgen nicht absehbar) der Verlust der Notfallstation. Diese konnte bislang vollwertig und kompetent die meisten der lebensbedrohlichen Notfälle auffangen. Das wird ein angedachtes Gesundheits- und Notfallzentrum (GNZ) nicht leisten können, da OPs, Anästhesie und Intensivstation fehlen. Ein GNZ ist als Ersatz für das Spital als Anlaufstelle für Notfälle denkbar ungeeignet: lebensbedrohliche Notfälle, die anfänglich nicht als solche scheinen, landen womöglich in diesem GNZ und wertvolle Zeit wird vertan, was im schlimmsten Fall das Leben der Person gefährdet. Ein GNZ gaukelt der Bevölkerung also eine Sicherheit vor, die es nie wird leisten können: es bleibt ein anderer Name für eine grössere Arztpraxis. Kleine Notfälle können wie bisher über den regionalen Notfalldienst 0900141414 in einer Arztpraxis behandelt werden. Hier wird es womöglich in Zukunft auch Anpassungen geben müssen. Die Wahrheit ist, dass für unklare und lebensbedrohliche Notfälle in Rorschach die Wege länger werden. Ein GNZ bleibt eine rein politische Erfindung, die keinem medizinischen Algorithmus folgt. Mit einem GNZ, das man bzgl. Notfallversorgung getrost als Mogelpackung bezeichnen kann, versucht der Kanton aber seine Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung einzulösen, die Notfallversorgung regional sicherzustellen. Diese Erfindung machte es erst möglich, in manchen Regionen über Spitalschliessungen  nachzudenken. Dabei hat der Kanton scheinbar eine ganz eigene Vorstellung von „Notfällen“. Lebensbedrohliche Notfälle können zumindest nicht gemeint sein.

Ein wirkliches Konzept, wie es weitergehen soll, gibt es scheinbar bislang nicht. Zumindest ist mir keines bekannt. Ich hoffe, dass es nun eine echte Bedarfsplanung geben wird. Es darf sich nicht wiederholen, dass eine Beratungsfirma die Ansichten der einbestellten Ärzteschaft falsch wiedergibt und teils ignoriert, wie im Vorfeld zur Spitalschliessung in Rorschach geschehen.

Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, dass die Ambulatorien der Onkologie und der Nephrologie als Aussenstelle des Kantonsspitals hier in Rorschach weiter betrieben werden, um die Wege für die Patienten kurz zu halten. Einzig, wenn man neue Arbeitsplätze schaffen möchte, die man gerade vernichtet hat, könnte ein grosses GNZ Sinn machen, dessen Leistungen aber bereits heute durch vorhandene Praxen angeboten werden. Man darf erwarten, dass künftig auch die Fachrichtung Gastroenterologie und Kardiologie durch niedergelassene Ärzte angeboten werden, die aus eigenen finanziellen Anstrengungen ihre Praxis betreiben. Lebensbedrohliche Notfälle werden in Zukunft deutlich weitere Wege haben. Ein vom Kanton installiertes GNZ ist für die Region Rorschach aus genannten Gründen aus meiner Sicht überflüssig.

Stattdessen bräuchte es eine ortsnahe, v.a. stationäre Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeit der Betagten Personen, ähnlich der Geriatrischen Klinik in St. Gallen (ehemals „Bürgerspital“). Was sich am Ende realisieren lassen kann, bleibt wie so vieles offen.“