Verheiratet, selbständig und beide Läden geschlossen

Der vom Bundesrat verhängte Lockdown in der Schweiz dauert nun drei Wochen und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Für viele KMUs bedeutet das eine enorme Herausforderung mit wahnsinnig vielen unbekannten Aussichten. In Rorschach gibt es mit Michael «Huwi» Huwiler und Gabriela Angehrn ein Ehepaar, welches gleich in doppelter Hinsicht von der ganzen Problematik betroffen ist. Das Rorschacher Echo wollte wissen, wie es ihnen geht und wie sie beide damit umgehen. Voilà:

Michael Huwiler, «Huwi», Fotograf, foto-huwi.ch, verheiratet mit Gabriela Angehrn seit 2011

„Die letzten zweieinhalb Wochen waren für mich persönlich ein gefühlsmässiges Auf und Ab. Schon in den Tagen vor dem grossen Lockdown sammelte ich Absagen von meinen Kunden wie andere Panini-Bilder. Mit dem Entscheid des Bundesrates, leerte sich mein Auftragsbuch nahezu vollständig.

Auch ich muss mein frisch bezogenes ‚Ladengeschäft‘ für Laufkundschaft geschlossen halten. Eigentlich hatte ich nach dem Umbau der Räumlichkeiten und den Umzug an den neuen Standort in der Signalstrasse 17 ein Eröffnungsfest geplant, doch der Virus ist mir da zuvor gekommen, hoffe, dass ich das irgendwann später nachholen kann.

Weil der Bundesrat der Auffassung ist, ich könne als Fotograf trotz Lockdown dennoch weiterarbeiten, falle ich bis jetzt durch alle Maschen ausgesprochener Entschädigungsleistungen. Aktuell macht es immerhin den Anschein, als ob sich der Bundesrat nun auch der Problematik jener Betriebe bewusst ist und bis am kommenden Mittwoch einen Vorschlag präsentieren will. Das Problem dabei ist nämlich: Ich möchte noch so gerne arbeiten, doch es gibt einfach praktisch keine Aufträge mehr. Interessanterweise könnte ich durchaus verschiedene Arten von Fotoshootings durchführen, einige mit gewissen Einschränkungen und unter Einhaltung der BAG Abstands- und Hygiene-Vorgaben. Doch sowohl Private wie Firmen haben im Moment andere Sorgen, bzw. bleiben wie angeordnet zu Hause. Ausserdem gäbe es auch Aufträge, welche ohne Menschenkontakt problemlos durchzuführen sind, beispielsweise Produktfotografie, Immobilienfotos oder virtuelle Rundgänge, doch auch die bleiben derzeit aus.

Im Unterschied zu meiner Frau, welche erstaunlich gelassen mit der Situation umgeht, beschäftigt mich das Ganze massiv. Ich sehe zwar nicht schwarz, im Gegenteil, ich schätze mich eigentlich als optimistischen Menschen ein, aber gewisse wirtschaftliche Sorgen kann ich trotzdem nicht von der Hand weisen.

Für mein psychisches Wohlergehen ist es wichtig, dass ich trotz aller Umstände meine täglichen Strukturen beibehalte. Ich stehe am Morgen auf, gehe ins Geschäft zur „Arbeit“. So gehe ich verschiedene interne Projekte an, optimiere meine Websites, hoffe auf den einen oder anderen Auftrag und bereite mich auf die Zeit nach dem Lockdown vor. Und dann freue ich mich auf den Feierabend, wo ich noch mehr wie sonst mit meiner liebsten Ehefrau Gabriela koche und wir uns gegenseitig Mut zusprechen. Sie ist eine sehr wichtige Stütze für mich.“

Gabriela Angehrn, Goldschmiedin, goldketteli.ch, verheiratet mit Michael Huwiler seit 2011

„Eigentlich kam der Moment, in welchem der Bundesrat den nationalen Lockdown ausgesprochen hatte, für mich nicht ganz unerwartet. Die Tage zuvor bereiteten mich sozusagen vor. Dennoch war es eindrücklich und fühlte sich schockartig an, als ich realisierte, dass mein Geschäft ‚per Befehl‘ ab morgen früh für sicher 5 Wochen geschlossen bleiben muss. Zuerst funktionierte ich einfach: Website anpassen, Info an die Ladentür, Kunden informieren, danach kümmerte ich mich um einige pendente Arbeiten… und seither habe ich Zwangsferien und halte mich auch ans #stayathome.

In dieser völlig ungewohnten Situation fühlte ich mich aber von Anfang an gut aufgehoben, nicht zuletzt wegen der guten Kommunikation durch den Bundesrat. Zu meinem Glück bin ich seit bald 30 Jahren selbständig im Markt aktiv und konnte so auch ein kleines Pölsterli aufbauen. Damit bringt mich die aktuelle Situation nicht gleich aus der Ruhe. Auch neige ich nicht zu Panik, sondern bin ein optimistischer Mensch, glaube an Gott, der uns bestimmt beiseite steht.

Auch bin ich sehr froh, dass ich meinen Mann Huwi an meiner Seite habe, denn alleine wäre das Zuhause bleiben und die daraus entstehende Vereinsamung nur sehr schwierig zu bewältigen.  Inzwischen setze ich mich auch damit auseinander, was ich mit der Zwangsfreizeit anfangen soll und suche derzeit Möglichkeiten, wo Not am Mann ist und ich meine Ressourcen unterstützend mit einbringen könnte.  Ich hoffe auch, dass andere Mitmenschen ihre „Manpower“ ebenfalls zum Wohl unserer Gemeinschaft einsetzen.

Da ich meinen Laden in der Hauptstrasse schliessen musste, habe ich das Glück, dass ich vom Milliardenschweren Hilfspaket einen kleinen Beitrag erhalten werde. Immerhin hilft diese kleine Pauschale, den 100%igen Umsatzeinbruch ein klein wenig zu kompensieren, werde aber dennoch meine Reserven anzapfen müssen.

Mein Lebenskonzept ist zugleich mein Rezept für die Krisenzeit: Ich mach jeden Tag das Beste daraus. Ich bin zufrieden, mit dem, was ich habe und schaue positiv in die Zukunft. Erstaunlicherweise fühle ich bislang noch keine Enge oder Langweile, mein täglicher Spaziergang mit dem Hund an der frischen Luft hilft mir in jedem Fall. Wie wichtig dies für meine Psyche und Physis ist, realisierte ich schon vor mehr als 20 Jahren, als ich meinen ersten Hund anschaffte.“