Tomi Ungerer wird uns bis im März 2020 begleiten

Gestern Abend eröffnete das Forum Würth Rorschach feierlich die neue Foyer-Präsentation «Tomi Ungerer – Zeichnungen, Collagen und Objektkunst aus der Sammlung Würth». Der Einladung zur ersten Ausstellung nach dem Tod Tomi Ungerers im Februar 2019 sind rund 800 BesucherInnen gefolgt.

Die besondere Rede von Frau C. Sylvia Weber, Direktorin Sammlung Würth, und Herr Robert Walter, Direktor a.D. Stiftung Centre Culturel franco-allemand Karlsruhe, Generalsekretär Tomi Ungerer Freundeskreis, gaben einen schönen Einblick in das Leben und die Kunst von Tomi Ungerer. Die musikalische Umrahmung durch den Kinderchor der Musikschule Rorschach-Rorschacherberg unter der Leitung von Angela Grob verzauberte alle. Die Ausstellung im Forum Würth Rorschach, die auf den reichen Bestand von 240 Werken Tomi Ungerers in der eigenen Sammlung zurückgreifen kann, bietet einen inhaltlichen Querschnitt durch das Œuvre dieses leidenschaftlichen Künstlers.

Ausstellungsdauer: 14. Mai 2019 bis 15. März 2020 im Forum Würth in Rorschach. Öffnungszeiten: April bis September, täglich, 10.00 —- 18.00 Uhr, Oktober bis März, Dienstag —- Sonntag, 11.00 —- 17.00 Uhr. Eintritt: Frei.

Der französische Künstler Tomi Ungerer gehört zu den bedeutendsten und zugleich provokantesten Illustratoren unserer Zeit. Sein gewaltiges Werk zählt mehr als 40’000 Zeichnungen,
Ölbilder, Plakatentwürfe, Collagen, Lithografien, Holzschnitte und Objekte. Dazu kommen 140 Bücher von der Sozialsatire bis zum Märchenbuch, darunter moderne Kinderbuch-Klassiker wie «Die drei Räuber» oder «Der Mondmann». Dass es neben dem illustrativen Werk auch zahlreiche Collagen und Skulpturen gibt, entstanden vor allem in den letzten zwei
Jahrzehnten, ist dabei selbst den meisten Bewunderern unbekannt. Es war ein Verdienst der Ausstellung, die 2010 in der Kunsthalle Würth stattfand, einen neuen Blick auf den freien Künstler Tomi Ungerer zu werfen, der neben seinen Auftragsarbeiten ein fantastisches Universum origineller Werke schuf.

Tomi Ungerer wurde 1931 in Strassburg geboren. Nachdem er zu Beginn seiner Laufbahn durch ganz Europa trampte und erste Zeichnungen in der Satirezeitschrift «Simplicissimus» veröffentlichte, begann sein eigentlicher Aufstieg im New York der 1950er-Jahre, wo er als Grafiker, Kinderbuchautor, Zeichner und Maler berühmt wurde. Zeitlebens war er politisch engagiert. Seine Plakate gegen den Vietnamkrieg und die Rassentrennung sind beredte Stellungnahmen und gehören zugleich zu den besten Beispielen der modernen Grafik. Unterhaltsam und ebenso drastisch sind seine bitterbösen Bildkommentare auf die amerikanische High Society, zusammengefasst in dem Band «The Party» (1966). Diese und weitere
Veröffentlichungen, unter anderem mit pikanten Erotika, machten Ungerer einen Verbleib in den USA unmöglich. Seine Kinderbücher wurden unter Zensur gestellt und selbst das FBI nahm ihn unter Beobachtung. Er entzog sich für einige Jahre nach Kanada und liess sich 1976 dauerhaft in Irland nieder. Seine Haltung, «die eigenen Abgründe ebenso furchtlos aus(zu)leuchten wie die anderer» (Andreas Platthaus), hat er dabei nie aufgegeben. In seinem Ausspruch «Die Hölle ist das Paradies des Teufels» steckt Tomi Ungerers ganze ambivalente, aber stets anderen zugewandte Lebensphilosophie.

Mühelos vertauscht Tomi Ungerer in seinen zahlreichen Werken den romantischen Stil des deutschen Hausbuchs mit dem schnellen Strich von Wilhelm Busch, die Illustrationskunst seines elsässischen Landsmanns Gustave Doré mit dem Biss französischer Gesellschaftssatiriker wie Grandville und dem angelsächsischen Humor seiner Freunde Ronald Searle oder Saul Steinberg.

Die Ausstellung im Forum Würth Rorschach, die auf den reichen Bestand von 240 Werken Tomi Ungerers in der eigenen Sammlung zurückgreifen kann, bietet einen inhaltlichen Querschnitt durch das ebenso tiefgängige wie überaus kurzweilige OEuvre dieses leidenschaftlichen Künstlers. 90 Werke sind in Rorschach ausgestellt. Tomi Ungerer starb am 9. Februar 2019 in Cork, Irland. (Text/Bilder: pd)

Haus Würth Rorschach Vernissage Tomi Ungerer