Eine Stadtentwicklung ist ein komplexer Prozess

100 Interessierte durfte Ariane Thür Wenger, SP-Stadträtin, für das von der SP Rorschach Stadt am See lancierte Podiumsgespräch mit dem Titel „Stadtentwicklung Rendite – Qualität – Identität“ begrüssen. Das hochkarätige Podium war unter anderem mit dem Stadtpräsidenten von Langenthal und aktueller Wakker-Preisträger, Reto Müller, besetzt. Er referierte vom Stolz seiner Gemeinde und dem industriellen Erbe, von guter Planung und der unabdingbaren Bereitschaft zum offenen Dialog. Vor allem mit seiner Aussage „Keine Entwicklung um jeden Preis“ kam gut an. Ebenfalls mit von der Partie waren Dr. André Odermatt,  Stadtrat von Zürich und Vorsteher des Hochbaudepartements, der wegen gelungener Stadtentwicklung 14 neue Schulhäuser bauen muss und sich freut, dass die Stadt Zürich für Familien derart attraktiv geworden ist. Für Maria Pappa, Stadträtin in St.Gallen und Direktorin Bau und Planung sind lebendige Quartiere Orte, wo man sich austauschen, sich gegenseitig unterstützen und inspirieren kann. Zudem erachtet sie Räume als Indikator für die Befindlichkeit derer, die darin leben. Und letztlich war auch Stadtpräsidiumskandidat Guido Etterlin mit auf dem Podium. Er hat sich stark engagiert im Projet urbain, einem schweizweit beachteten Vorzeigeprojekt zur nachhaltigen Quartierentwicklung. „Der gelungene Einbezug der Bevölkerung sei damals der wesentliche Erfolgsfaktor gewesen“, so Guido Etterlin.

Der Abend gab Impulse und man merkte bald, dass die „Rorschacher Problematik“ nicht einzigartig ist. Guido Etterlin konnte sich deutlich positionieren: „Stadtentwicklung ist immer im Kontext zur Entwicklung unserer Region zu sehen. Die drei Gemeinden sind derart verzahnt, dass grössere Veränderungen immer unmittelbare Auswirkung haben auf die gesamte Region. Langfristig behindern diese Gemeindegrenzen die regionale Entwicklung. Alle drei Gemeinden müssen aufeinander zugehen. Eine zentrale Frage müssen wir klären: Liegen die Differenzen wirklich nur bei den Steuerfüssen oder handelt es sich um weit auseinanderliegende Haltungen Stadt/Land?“, fragte Guido Etterlin gestern Abend. Weiters  fügte er bei, dass die Verdichtung unserer Stadt Grenzen hat und es könne nicht das Ziel sein, die Bevölkerungszahl auf 14’000 Einwohner zu fördern. Die Verdichtung geht einher mit der Auslagerung von Arbeitsplätzen. „Eine Stadt ist viel mehr als die Summe ihrer Bauten“, sagte er bestimmt.

Was für Guido Etterlin ebenfalls wichtig ist: „Rorschach ist attraktiv für Senioren. Wir sind aber noch nicht gerüstet mit der notwendigen Infrastruktur für die immer zahlreicher werdende ältere Generation und die kantonalen Rahmenbedingungen sind komplett falsch. Die Pflegefinanzierung basiert auf dem letzten Wohnsitz und ist innert kürzester Zeit zu einem der grössten Ausgabenposten in der Stadtrechnung geworden“. Und dann wurde Guido Etterlin auch noch bei einem sehr emotional diskutierten Thema in der Stadt deutlich: „Grundsätzlich steht das Rorschacher Strandbad am richtigen Ort. Und es muss dringend saniert werden. Damit Steuersubstrat nicht in die Nachbargemeinden abfliesst, muss es verlegt und neu gebaut werden. Eigentlich ein Wahnsinn…“.

Die abschliessende Diskussion brachte den Verkehr noch ins Zentrum. „Wie gehen die Städte damit um?“, wollte ein Besucher wissen. Da waren sich alle Podiumsteilnehmenden einig: „Es braucht eine neue Mobilitätskultur“. Und konkret auf den 3. Autobahnanschluss in der Region angesprochen meinte Guido Etterlin kurz und trocken: „Das dürfte sehr schwierig sein, diese Vorlage den RorschacherInnen schmackhaft zu machen.“