Vernissage zu „Meine Konfirmation“ in der Kirche

Am letzten Sonntag fand nach dem Gottesdienst die gut besuchte Vernissage zur Ausstellung „Meine Konfirmation“ unter Mitwirkung des Männerchors Helvetia in der reformierten Kirche Rorschach statt. Pfarrerin Esther Marchlewitz war es ein Anliegen, ein Blick zurück zu werfen, was Konfirmation für die Kirchgemeinde, aber auch für ihre Bürger bedeutet und wie sie sich über die Jahre verändert hat. Mit zahlreichen Fotos und Erinnerungsstücken konnten Erinnerungen aus vielen Jahrzehnten gesammelt und ausgestellt werden. Eindrücklich zeigen alte Bilder, wie gross die Konfirmandenklassen noch vor Jahrzehnten gegenüber heute von 12 – 30 Konfirmanden waren.

Esther Marchlewitz Begründung dies so, dass früher die Kirchgemeinde bedeutend mehr Kirchbürger zählte als heute. Massgeblich hat die ausländische, vor allem die muslimische Bevölkerung, in Rorschach gegenüber der Protestantischen bedeutend zugenommen. Durch die zahlreichen Kirchaustritte kommen leider viele Jugendliche zu Hause nicht mehr in den Genuss einer christlichen Erziehung, was sich ebenfalls auf die Rückgänge auswirkt. Die Pfarrerin stellt aber fest, dass immerhin um die 70 Prozent der Evangelischen ihre Kinder konfirmieren lassen. Sie sieht weiter, dass sich die Konfirmation insofern verändert hat, dass früher ein Zwang vom Elternhaus, wie von der Kirche aus bestand, der heute einer freien Entscheidung der Jugendlichen den Platz räumte.

Die Konfirmation ist der Übergang vom Kind zum Erwachsenen und möchte die Jugendlichen als neue Kirchbürger in die Gemeinschaft willkommen heissen. Die Konfirmation ist nicht mehr reine Pflicht, damit man später ein Abendmahl einnehmen, oder sich evangelisch trauen lassen kann. Sie ist ein bedeutender Lebensabschnitt, der einem im ganzen Leben Halt und eine geistige Heimat geben kann.

Die Ausstellung in der Kirche zeigt aber auch die Sorgen und Nöte der Bodensee- Bevölkerung auf eindrückliche Weise. In einem strengen Brief fordert ein Pfarrer die Eltern auf, ihren Sohn besser im Griff zu haben, da er wiederholt unentschuldigt dem Konfirmandenunterricht fern blieb. Tragischer ist ein Gesuch an die Pro Juventute, wo besorgte Eltern einen Beitrag von 35 Franken erbitten, um ihrem Kind die Konfirmation zu ermöglichen. In einem aufgelegten Buch darf jeder Besucher seine eigenen Erinnerungen und Erfahrungen an den grossen Tag im jungen Erwachsenenleben aufschreiben, um so im reiferen Alter den wichtigen Tag nochmals neu zu erleben. Die empfehlenswerte Ausstellung in der ref. Kirche Rorschach ist noch bis zum 3. Juni 2018 jeden Tag von 9 – 17 Uhr geöffnet. (pd/wn)