Von der Auto- zur Velostadt Rorschach?

Das Rorschacher Echo hat von der VCS Regionalgruppe Rorschach noch nachstehende Medienmitteilung erhalten.

„Über 30 Personen folgten kürzlich der Einladung der neu gegründeten VCS-Regionalgruppe Rorschach ins Berufsschulzentrum Rorschach zum Thema Veloverkehr. Man war sich einig; das Auto darf nicht mehr diesen hohen Stellenwert haben.

Man stelle sich vor, in Rorschach ist nicht das Auto, sondern das Velo das dominierende Verkehrsmittel. Es ist ruhig in den Gassen, der Stresslevel deutlich tiefer, die Menschen freundlich und kooperativ. Es gibt zahlreiche Begegnungszonen, wo sich anstelle von Autos – Menschen treffen. Touristen aus der näheren Umgebung geniessen die friedliche Atmosphäre in der Hafenstadt und verbringen ihre Ferien vermehrt in der Region. Eine wunderbare Vorstellung, die vielleicht in naher Zukunft Wahrheit werden könnte.

Infrastruktur zentral
Vorarlberg ist der Schweiz in Sachen «Velo» um einiges voraus. Im Rahmen der Radverkehrsstrategie Vorarlberg «Ketten-Reaktion» wird seit 2020 der Veloverkehr gezielt gefördert. Ziel ist es, den Radverkehr um fünf Prozent und den öffentlichen Verkehr um zwei Prozent zu steigern und gleichzeitig die Autofahrten um sieben Prozent zu reduzieren. Martin Reis, Fachbereichsleiter Mobilität erklärte den über 30 Anwesenden im Berufsschulzentrum Rorschach, dass 124 Massnahmen geplant und z.T. bereits umgesetzt sind. Dazu zählt primär die Entwicklung der Infrastruktur. Geplant sind der Auf- und Ausbau des kommunalen Strassen- und Wegnetzes sowie gute Radschnellverbindungen, welche den Benutzer auf dem kürzesten Weg von einer Stadt in die andere oder vom Wohn- zum Arbeitsort bringen. Geregelt wird auch die Breite der Velowege, so dass Sicherheit und Komfort gewährleistet sind. Ein zweiter Punkt ist die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr mit genügend Abstellplätzen und Leihradangeboten. Und last but not least: die Informations- und Bewusstseinsbildung. Das Image des Velofahrens wird mit diversen Aktionen verbessert. Dazu zählen landesweite Mitmachkampagnen, Wettbewerbe oder eine Genussrally. Ins Visier genommen werden aber auch die Unternehmen. Anstelle von Dienstfahrzeugen kommen vermehrt «Jobräder» zum Einsatz.

Man muss nur wollen!
Keinen leichten Stand nach diesem Strauss an Massnahmen hatte Röbi Raths, der die Situation in Rorschach erläuterte. «Vorarlberg macht eine hervorragende Arbeit. Da kann man nur neidisch sein.». Die Region Rorschach ist noch nicht so weit! Der Stadtpräsident betonte aber, dass sich die Situation schnell ändern könne. «Wenn man das will, dann kommt es auch!» Leider ist dafür eine Mehrheit im St. Galler Kantonsrat noch nicht vorhanden. Trotzdem, es gibt ein Agglomerationsprogramm, bei dem der Langsamverkehr eine wichtige Rolle einnimmt. Röbi Raths möchte sich in Zukunft vermehrt für das «Velo» einsetzen. In Rorschach ist auch für 2022 wieder ein Budget gesprochen worden, um Schwachstellen im Radnetz zu verbessern.

Tempo 30 flächendeckend
Ruedi Blumer, Präsident des Verkehrsclub Schweiz verwies darauf, dass für eine Beruhigung und Belebung der Innenstädte Tempo 30 flächendeckend eingeführt werden müsste. Damit würde der Veloverkehr attraktiver. «Man ist gleichschnell wie der motorisierte Verkehr, und die Gefährdung von Fuss- und Veloverkehr sowie die Umweltbelastung nimmt markant ab.» Wichtig für Blumer sind auch die Förderung der E-Mobilität, der Ausbau von Veloplätzen im Zug sowie Mobilitätskonzepte für Unternehmen, wo das Velo einen deutlich höheren Stellenwert erhält.“ (Text/Bild: pd vcs)

Das Beitragsbild oben zeigt Ruedi Blumer, VCS-Präsident Schweiz, Röbi Raths, Stadtpräsident Rorschach und Martin Reis, Fachbereichsleiter Mobilität, Vorarlberg (v.l.). Sie waren sich einig: Das Auto darf nicht mehr diesen hohen Stellenwert haben.




2 Kommentare zu "Von der Auto- zur Velostadt Rorschach?"

  1. Tempo 30 flächendeckend?
    Dann dauert die Fahrt mit dem Bus zum Zug noch länger? Der Anteil der Strecken ausserorts ist gering.
    Wie hat sich der VCS das vorgestellt?

  2. VCS-Regionalgruppe Rorschach | 23. November 2021 - 22:38 um 22:38 | Antworten

    Lieber Herrr Friedli
    Rorschach ist mit nur 1,8 km2 Fläche sehr klein und dicht überbaut. Auf unseren engen und kleinräumigen Strassen kann aktuell schon kaum 50 kmh gefahren werden. Da wäre flächendeckend Tempo 30 nicht einschneidend, der Gewinn an Sicherheit und Lebensqualität jedoch sehr gross. Die Seebusse würden praktisch keine Verzögerung erfahren, da sie schon heute im eng gestalteten Strassennetz mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 30 kmh unterwegs sind. Bei flächendeckend Tempo 30 würde sich der gesamte Individualverkehr im gleichen Tempo bewegen.
    Mit flächendeckend 30 kmh wäre Rorschach schweizweit als Pionierstadt in den Medien! Auf diesem positiven Erfolg aufbauend wäre die Ausweitung von Tempo 30 auf alle drei Gemeinden der Kernregion Rorschach ein wichtiger, nächster Schritt in die Zukunft!

    Mit den besten Wünschen
    VCS-Regionalgruppe Rorschach

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