Einst mussten im Sommer unsere Strassen bewässert werden. Heute kaum mehr vorstellbar: An heissen Sommertagen war Strassenstaub eine fast unerträgliche Plage. Nur die Hauptstrassen waren asphaltiert oder mit „Bsetzisteinen“ gepflastert. Die staubigen Nebenstrassen wurden mit Wasser bespritzt.
Alle sind sie im Sommer hinter dem Spritzenwagen hergerannt. Keine älteren Rorschacherinnen oder Rorschacher, die sich nicht an dieses Sommervergnügen erinnern: Für alle kam der Sommer so richtig mit dem Spritzenwagen. Zwei Rosse zogen den schweren Zisternenwagen. Hinten spritzte das Wasser aus den Düsen eines Röhrengestells über die gesamte Strassenbreite. Die Kinder liefen hinter dem Wagen her und kühlten sich die Füsse. Nach der Durchfahrt des Spritzenwagens lag der unverkennbare Geruch des Sommers in der Luft. Der Staub wurde vom Wasser gebunden, die Strasse schien zu dampfen. Noch heute lässt manchmal ein Gewitter auf heissen Asphaltstrassen jenen fernen Geruch der Jugendzeit in die Nase steigen.
Um die Staubplage zu bekämpfen zirkulierten sowohl in Rorschach als auch in Goldach Spritzenwagen im Auftrag der Stadt und der Gemeinde. Vereinbarungen mit den Fuhrhalterfirmen Studer-Wuest und Keller in Rorschach sowie Germann in Goldach verpflichteten diese ähnlich wie heute beim Winterdienst, sich auf Abruf für Spritzenfahren bereit zu halten. Die Spritzenwagen gehörten der Stadt, die Fuhrhalter stellten Pferde und Geschirr. Für die Stadt gab es zwei Fahrrouten. Die Signalstrasse galt als Grenze: Die Strassen westlich davon befuhr Studer-Wuest. Dort war besonders die viel befahrene und lang ansteigende Industriestrasse ein Staubverursacher. Das Gebiet östlich war Keller zugeteilt. Die Wachsbleichestrasse, Simonstrasse, Tellstrasse, Hubstrasse, Eisenbahnstrasse, Heidenerstrasse bis Sonnenhof, die Langmoosstrasse und viele andere – sie alle waren noch nicht geteert. (Text/Bild: Otmar Elsener)
Beitragsbild: Spritzenwagen im Jahr 1931 geführt von Josef Elsener an der Einmündung Neustadtstrasse in die Reitbahnstrasse. Persönliche Anmerkung. Im hinten zu sehenden Haus erblickte ich 23 Jahre nach dieser Aufnahme das Licht dieser Welt.


