„Mehr als einen flotten Applaus verdient“

Die Carl Stürm Stiftung zeichnete gestern zwölf in der Region tätige Organisationen im Pflege- und Betreuungsbereich mit je 3000 Franken aus. Das Rorschacher Echo hat bereits gestern Abend darüber berichtet. Das Ganze wurde live gestreamt. Hier kann man das nochmals in aller Ruhe verfolgen:

Hier nun die Begrüssungsrede von Stiftungsratspräsident Peter Thoma und die Laudatio von Stiftungsrat Christof Stürm.

Peter Thoma: „Im Namen der Carl Stürm Stiftung begrüsse ich Sie ganz herzlich zur 16. Preisverleihung. Unsere bisher immer sehr gut besuchten Anlässe wurden – wie viele andere auch – von Corona gestoppt. Darum können wir heute leider nur wenige Gäste hier bei uns begrüssen. Umso mehr freut es mich, Ihnen immerhin via Livestream begegnen zu dürfen.

Seit 2004 engagiert sich die Carl Stürm Stiftung für die Lebensqualität in der Stadt am See, die immer noch aus den drei Einzelgemeinden Rorschach, Rorschacherberg und Goldach besteht. Mit unseren bisher 15 Preisverleihungen haben wir private, unternehmerische und öffentliche Engagements ausgezeichnet, wobei neben den Anerkennungs- und Unterstützungsbeiträgen in der Grössenordnung von 35’000 bis 60’000 Franken auch immer eine nicht zu unterschätzende öffentliche Resonanz hinzukam.

Unsere bisherigen Preisverleihungen zeichnen eindrücklich und handfest nach, was wir – aber sicher auch die Mehrheit der hier ansässigen Bevölkerung – unter Lebensqualität in unserer Region verstehen:

2005 wurden zum ersten Mal Preise vergeben: ein Anerkennungspreis an Christophe Beck, der sich als Unternehmer und Arbeitgeber um die Region Rorschach verdient gemacht hat – und ein mit 50’000 Franken dotierter Förderpreis für ein zukunftsgerichtetes Projekt zugunsten der Region Rorschach.

2006 wurden die drei folgenden Institutionen mit Anerkennungspreisen von je 15’000 Franken ausgezeichnet: Keltische Tage am Bodensee, Kultur i de Aula und das Sandskulpturenfestival.

2007 übergab Stiftungsratspräsident Carl Felix Stürm dem Rorschacher Stadtpräsidenten Thomas Müller die Studie «Machbares Kornhaus» im Wert von 50’000 Franken, die konkrete Wege zur besseren Nutzung dieses Juwels aufzeigt.

2008 wurde der Carl Stürm Preis an den deutschen Unternehmer Jörg Korecki überreicht, der mit rund 13 Mio. Franken Eigenmitteln das Seerestaurant von Grund auf saniert und wieder zu einem beliebten Treffpunkt gemacht hat.

2009 würdigte die Stiftung das OK «Internationales A Cappella Festival Rorschach» und das Kulturlokal «Mariaberg» mit je 20’000 Franken.

2010 zeichnete die Stiftung mit einer Preissumme von 50’000 Franken vier Personen aus, die sich für den national bedeutenden Warteggpark in Rorschacherberg eingesetzt haben.

2011 wurde Reinhold Würth mit dem Carl Stürm Preis ausgezeichnet. Der Preisträger wirkte massgeblich darauf hin, dass sein Unternehmen auf dem ehemaligen Stürm-Areal am Bodensee ein architektonisch überzeugendes, öffentlich zugängliches Verwaltungsgebäude mit Kunstausstellungen und einem attraktiven Veranstaltungssaal erstellt.

2012 übergab die Carl Stürm Stiftung den beiden Preisträgern Romolo Cardillo («La Vela») und Matthias Kündig («Kündigs Chäslaube») je einen Check von 20’000 Franken – für die Steigerung der Standortattraktivität Rorschachs.

2013 wurden Hermann Fuhrimann und Gerd Oberdorfer für die erfolgreiche Erneuerung des Museums im Kornhaus gewürdigt.

2014 wurden mein Namensvetter Peter Thoma und Michi Bleiker mit je 20’000 Franken ausgezeichnet. Die beiden haben den Beachevent von Rorschach zu einem international beachteten, regional solide verwurzelten Anlass entwickelt.

2015 erhielt der gebürtiges Rorschacherberger Urs Räbsamen die Auszeichnung der Carl Stürm Stiftung. Er rettete zahlreiche Liegenschaften in Rorschach und der Region vor dem Verfall und belebte sie neu. so zum Beispiel auch das Schloss Wartensee.

2016 zeichnete die Carl Stürm Stiftung 10 Vereine der Region aus. Sie erhielten je 4000 Franken in die Vereinskasse.

2017 ging der Preis mit je 7500 Franken an vier Medienschaffende der Region: Res Lerch, Otmar Elsener, die Website «south-beach.ch» des Goldacher Vereins «shortbeat» sowie an den Verein «Lichtjahr» des Kunstvereins Rorschach.

2018 wurden 4 Vereine gewürdigt: Verein Weihnachten in Rorschach für den Advent auf dem Lindenplatz, Verein Zunft St.Nikolaus für den Klauszug, Verein Fondue am See und der Verein Netzwerk Rorschach für die Eisarena.

2019 ging der Carl Stürm Preis an den Verein «IG mobil», der sich für den AutobahnanschlussPlus einsetzte, und den Flugplatz Altenrhein, der Wertvolles zur regionalen Mobilität beiträgt.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 bis zum heutigen Tag hat die Carl Stürm Stiftung Engagements zugunsten der Region Rorschach mit einer Preissumme von 691’000 Franken honoriert.

Nun sind Sie sicher gespannt, wem die heutige Preisverleihung gilt. Allzu viel will ich Ihnen noch nicht verraten, denn die vornehme Aufgabe, die Preisträger konkret zu vorzustellen, kommt meinem Nachredner, Stiftungsratsmitglied Christof Stürm, zu.

Dennoch erlaube ich mir, den Schleier bereits etwas zu lüften: Im Mittelpunkt der diesjährigen Preisverleihung steht ein weiterer wichtiger Aspekt der Lebensqualität: Die Gesundheit – und die Menschen, die dahinterstehen.

Gerade in der aktuellen Coronasituation kommt diesem Thema eine besondere Bedeutung zu. Heute richten wir den Fokus auf eine Berufsgruppe, die zwar grandios beklatscht, aber doch eher bescheiden honoriert wird: Das Pflegepersonal. Hinter diesem abstrakten Begriff stehen Profis, die in Spitälern, Heimen und als Spitexmitarbeitende dafür sorgen, dass verletzte, kranke und gebrechliche Menschen gut versorgt sind. Profis? Ja, genau! Denn Menschen in Pflegeberufen sind sorgfältig und gründlich ausgebildet. Und sie leisten Überdurchschnittliches – oft zahlreiche Stunden am Stück, in Schichten rund um die Uhr. Sie entlasten Ärzte mit etlichen qualifizierten medizinischen und pflegerischen Einsätzen. Ihr Engagement wurde während der Coronawellen immer wieder gelobt und beklatscht.

Applaus ist gut. Daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist besser. Denn trotz ihres hohen Ansehens sind Pflegeberufe vergleichsweise bescheiden entschädigt. Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Ist die Carl Stürm Stiftung zu einer Gewerkschaft mutiert? Keinesfalls! Aber wir sind überzeugt, dass Pflegeberufe auch aus liberaler Sicht in Zukunft besser entschädigt werden müssen. Denn in der freien Wirtschaft gilt das Gesetz der Leistungsgerechtigkeit. Diese geht davon aus, dass, wer Wertvolles leistet, auch entsprechend honoriert werden soll.

Unser weitgehend freier Arbeitsmarkt dokumentiert eine ungesunde Verzerrung: Da wir im Inland zu wenig Menschen für Pflegeberufe gewinnen können, holen wir sie aus dem Ausland. Weitergedacht heisst das: Wir lassen uns die Ausbildung vieler Pflegender von ausländischen Steuerzahlern finanzieren. Das müsste doch auch all jene politischen Kräfte auf den Plan rufen, die sich gegen zu viele Ausländer in der Schweiz wehren. In autoritären Planwirtschaften können die Bürger zur Ausübung von Mangelberufen verdonnert werden. In einem liberalen Arbeitsmarkt gibt es zwei Optionen: Wir holen weiterhin so genannte «billige Ausländer» in die Schweiz – oder wir sorgen dafür, dass Nachfrage und Angebot auch bei Pflegeberufen in unserem Binnenmarkt wieder in eine gute Balance kommen.

Dieses Ziel ist nur mit besseren Arbeitsbedingungen für Pflegende zu erreichen. Es liegt auf der Hand, dass wir als kleine Stiftung diese Herausforderung nicht stemmen können. Daran ändert auch unser Preisgeld nichts. Aber wie eingangs erwähnt, wollen wir auch Resonanz schaffen für eine Berufsgruppe, die Handfesteres verdient hat als einen gutgemeinten feuchten Händedruck. Mehr dazu erfahren Sie nun von Stiftungsratsmitglied Christof Stürm. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen weiterhin einen anregenden Abend.“

Christof Stürm: „Unsere Gesellschaft altert. Heute sind es eine halbe Million über 80jährige in der Schweiz; im 2050 sind es dann über eine Million. Damit einhergehend verschlechtert sich auch die Altersquote. Heute ist es 1 ü65 auf etwas mehr als 3 im Erwerbsalter, im 2050 wird es 1 auf dann nur noch 2 sein. Wir werden immer älter. Und die Babyboomer haben für zu wenig Nachwuchs gesorgt.

Das lässt sich nur noch langfristig aufholen. Und zwar nicht durch die Babyboomer selbst, sondern durch die heute Jungen. Es besteht also langfristig eine Lücke. Die Schweizer Gesellschaft und Volkswirtschaft/ Wirtschaft braucht also bis auf weiteres Immigration. Und die gesunden ü65, die arbeiten …

Im Alter selbst brauchen fast alle irgendwann, und über eine gewisse Zeit Betreuung und Pflege und auch andere Menschen, dh. nicht nur die Alten sind darauf angewiesen. Sei es zuhause, ambulant oder in einer Institution. Menschen, die andere betreuen und pflegen sind heute schon sehr gefragt. Jedes Jahr lassen sich zu wenige in der Schweiz ausbilden und jedes Jahr hängen zu viele diesen Beruf an den Nagel.

Darum halt auch die Immigration von Betreuungsleistenden und Pflegenden. Wenn es den Betreuten bestmöglich geht, dann geht es auch Ihren Angehörigen besser. Zeitlich, wenn sie noch selbst arbeiten in der Familie oder Berufstätig sind oder aus anderen Gründen im Clinch stehen. Und auch im seelischen geht es allen besser wenn sie sich fragen, ob der Mutter, Vater oder Tante oder sonst wem in der Betreuungssituation gut geht.

Die Frage, ob man selbst sich genug um die Angehörigen kümmert, bleibt. Aber sie führt zu weniger Gewissensbissen wenn die Angehörigen gut betreut und gepflegt werden. Und schliesslich sind wir zuversichtlich für uns selbst, wenn wir Bedarfe haben. Zuversicht ist immer etwas Gutes, nicht nur in Coronazeiten …

Zusammengefasst: Es ist in vielerlei Hinsicht ausgesprochen wichtig für unsere Region, dass eine qualitativ gute und auch bezahlbare Infrastruktur ausreichend vorhanden ist. Die Carl Stürm Stiftung dankt den diesjährigen Preisträgern, dass sie ihre grossen Leistungen in unserer Region mit Herz und Professionalität erbringen und das tagtäglich. Und auch am Wochenende.“

Hier die Preisträger noch in der Übersicht: