Danceloft Rorschach: Tanz ist eine Vertrauenssache

Am vergangenen Wochenende bestritt das Danceloft Rorschach seine 30. Weihnachtsrevue im Stadthof Rorschach. Die Bilder sind von Silvan Wick, St. Gallen freundlicherweise zur Verfügung gestellt worden.

Seit dreissig Jahren, wissenschaftlich gerechnet über eine Generation lang, widmen sich Rut Ackermann und Roland Schmutterer der Tanzförderung. Nie um eine Idee verlegen, überlegten sie Jahr für Jahr stimmige Themen, für die sie mit den Tanzpädagoginnen Sarina Sieber und Melanie Kray erfrischende und herzergreifende Choreografien gestalteten. Die Region Rorschach honoriert dieses Engagement. Scharen von Mädchen und Frauen aller Altersklassen, auch hin und wieder ein Knabe, durchlaufen ihre Schule. Das Danceloft ist eine Institution mit Kultstatus geworden, wie weiland die Ballettschule von Wanda Weber-Bentele hinter dem Kino Eden.

Nicht verwunderlich, dass trotz des Überangebots an Aktivitäten am vergangenen Wochenende, die diesjährige Weihnachtsrevue „Grand Hotel“ gut besucht war. Einerseits ziehen 100 Tanzschülerinnen einen gewissen Fanclub an, andererseits war das Thema auch extrem „aamächelig“. Klein und Gross bewegte sich vor einer „Fin-de-Siècle-Filmkulisse, liebevoll ausgestattet mit entzückenden Pagenkostümen, farbenfrohen Tutus, den feschen Czárdás-Trachten der Zimmermädchen, selbst die Erdbeeren und der Schlagrahm in der Küche konnten tanzen. Und die waren noch sehr frisch und neu auf der Bühne.

Brutal ehrlich

Das Danceloft schafft es immer wieder, Menschen zu bewegen. Die im Publikum und die im Rampenlicht. Rut Ackermann schilderte das Warum in ihrer Rede an der Premiere: Tanz ist brutal ehrlich, niemand kann sich auf der Bühne verstecken. Selbsteinschätzung, Liebe und Demut gehören dazu. Tanz bietet Zugehörigkeit, stärkt einem in Phasen des Alleinseins. Tanz ist eine Vertrauenssache. Vertrauen zur Partnerin auf der Bühne, wie zur Tanzmeisterin. Und es braucht Zeit und Geduld, bist die Bewegungen reifen.

Die Weihnachtsrevue „Grand Hotel“ bewies, dass Ackermanns Worte keine Phrasendrescherei waren. Es ist eine Kunst, jedes Kind so zu nehmen, wie es ist. Auch die Erwachsenen. Sie in ihrem Bewegungsrepertoire und künstlerischen Ausdruck zu fördern, ohne zu überfordern. Was für den Tanz gilt, beschrieb der Dramatiker Bertolt Brecht für die Bühnenkünste allgemein:

„Theater
Ins Licht treten
die Treffbaren,
die Erfreubaren.
Die Änderbaren.“

(Text: Barbara Camenzind)