Wo drückt der Schuh in der Kirchgemeinde?

„Was wünschen Sie sich von unserer Kirchgemeinde? Was sollen wir mehr oder anders tun? Was fehlt? Gibt es Verbesserungsvorschläge? Haben Sie eine Idee, wie wir die Begegnungs- und Kreativräume im Neubau nutzen können? Wie und wofür würden Sie sich engagieren?“. Um diese Fragen zu klären, lud Pfarrerin Esther Marchlewitz die Kirchbürger diese Woche ins Evangelische Kirchgemeindezentrum EKZ ein.

Leider nutzten nur sehr wenige Kirchbürger diese einmalige Chance, wo man am Geschehen der Kirche aktiv teilnehmen und seine Ideen oder Fragen direkt an kompetente Personen richten könnte. Die meisten Teilnehmer waren Angestellte oder freiwillige Helfer die sich für die Belange unsere Kirche interessierten. Esther Marchlewitz und ihr Team hatten fünf Tische vorbereitet, an denen je ein Themenkreis diskutiert wurde. Die Teilnehmer wechselten alle zwanzig Minuten den Platz und bekamen so Gelegenheit, ihre Anliegen vorzutragen.

Am Tisch“ Was können wir für Notleidende vor Ort tun“ (Betreuung durch Pfarrer Pius Helfenstein) kam bald die Idee auf, alte, behinderte Menschen, die noch alleine leben, einmal in der Woche zu einem Seniorenkaffee ins EKZ einzuladen, um so der Vereinsamung vorzubeugen. Zwei Mitbürgerinnen meldeten sich spontan zur freiwilligen Mithilfe. Die Möglichkeit, sich als Ersatz-Oma oder -Opa zur Verfügung zu stellen, dient demselben Ziele.

Die Station „Kirche im Alltag – Wie kann die Gemeinde näher zu den Menschen kommen?“ mit Peter Bruderer beschäftigte sich mit der Frage über mehr Gemeinschaft. Dazu könnte man sich Bibelabende mit Ausrichtung auf das Wort Gottes und Themen, die an zwei bis drei Abenden gemeinsam behandelt werden könnten. Um sich der Bevölkerung zu präsentieren, wurde an der Fassade des Neubaus ein Grossbildschirm vorgeschlagen, damit die Wartenden am Stadtbahnhof auf die Angebote unserer Kirche aufmerksam werden.

Ein anderer Tisch, um Isabell Henke, beschäftigte sich mit dem Thema „Kirche international – Wie leben wir als Gemeinschaft mit vielen Nationalitäten?“. Hier wurde gefordert, die Nationalitäten besser sichtbar zu machen und einzubeziehen. Dies könnte durch singen gemeinsamer internationaler Lieder geschehen, oder indem Flyer für Veranstaltungen in verschieden Sprachen erscheinen, mindestens in Englisch. Ein Länderzirkel, wo Gäste über ihr Heimatland referieren und die Anwesenden vielleicht mit Köstlichkeiten aus ihrem Land verwöhnen, fördert bestimmt das Zusammenleben.

Der Tisch „Papierkorb – Was will ich loswerden?“, betreut von Pfarrerin Esther Marchlewitz, wurde kaum benutzt. Schade, dass die unzufriedenen Mitbürger, die vielleicht an einen Kirchenaustritt denken, hier nicht ihren Frust, ihre Enttäuschung oder andere Gründe deponiert haben. Dies wäre für sie eine Chance gewesen am richtigen Ort Dampf abzulassen und für die Verantwortlichen eine grosse Hilfe, in der Kirche Verbesserungen dahin zu verwirklichen, wo der Schuh nicht nur drückt, sondern sogar richtig weh tut. Es wäre übrigens noch nicht zu spät, mit der Kirche Verbindung aufzunehmen.

Umso mehr sprudelten die Vorschläge bei: „Begegnungs- und Kreativräume im Neubau – Wie wollen wir sie nutzen?“, mit Franziska Ruggli. Nebst einem Zelt als „Sommercafé“, das beispielsweise von der HPV betrieben werden könnte, forderte man Räume für Kurse, die von Kirchbürgern für Kirchbürger angeboten werden. Hier könnten auch Junge den Alten die modernen Medien beibringen und sie bei der Nutzung von PC, Smartphones und Co. tatkräftig unterstützen und so gleichzeitig das Generationenproblem abbauen. Schreibgewandte könnten für Unkundige Briefe an Ämter schreiben, oder eine Tauschbörse würde finanzschwächere Familien entlasten. In einem “Flick Café“ würden Gegenstände angenommen, die einem ans Herz gewachsen sind, aber eine Reparatur sich nicht mehr lohnt. Passionierte Bastler könnten sich diesen Schätzen annehmen und sie wieder in Ordnung bringen.

Einige reut es, dass die Kirchenvorsteherschaft den Mut für ein kommerzielles Café verloren hat, das man zu einem vernünftigen Zins verpachten könnte. So vergibt die Kirche eine einmalige Chance, sich quasi zum Nulltarif an allerbester Lage am neuen Stadtbahnhof einer breiten Öffentlichkeit auf lockere, unkonventionelle Art zu begegnen und unsere Angebote zu präsentieren, bevor die Stadt auf dem Scarpa-Gelände diese Gelegenheit für sich wahrnimmt. (Text/Bilder: pd/wn)




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