100 Jahre Landesstreik – und Rorschach war Teil davon

Im Spätsommer 2018 wird die Stadt Olten zum Mittelpunkt eines grossen nationalen und mehrsprachigen Theaterereignisses. 1918. CH – 100 Jahre Landesstreik. Gespielt wird in den Alten Hauptwerkstätten der SBB beim Bahnhof Olten. Das Theaterereignis rückt den Landesstreik als Eskalation der sozialen Gegensätze in der Schweiz und gleichzeitig als Beginn einer konsensorientierten politischen Verhandlungskultur in den Fokus. Es lädt ein zu einer breiten Beteiligung der Bevölkerung aus allen Landesteilen der Schweiz, zu einer vielstimmigen Auseinandersetzung mit Geschichtsbildern und Identifikationsmustern. Ein professionelles Leitungsteam erarbeitet und inszeniert mit ca. 120 nicht professionellen Darstellern ein Stück, das gleichzeitig den dramaturgischen Rahmen für theatrale Beiträge aus anderen Kantonen bildet.

Der Beitrag des Kantons ST. Gallen wird Samstag, 22., Sonntag, 23. und Montag, 24. September gezeigt. Für die Regie zeichnet Nelly Bütikofer. Im Beitrag wird erzählt, wie ein Zug von rund 700 Personen unter Führung des Werkstättearbeiters Johann Högger und des Schlossers Theo Surbeck die Betriebseinstellung der Stickereifabrik von Franz Zürn in Rorschach durchsetzten. Franz Zürn war ein Patron der alten Schule. Seine Arbeiterschaft, die vor allem aus Frauen bestand, war zufrieden mit ihrem Patron. Die Arbeiterinnen sahen keinen Grund zum Streiken und leisteten den Streikführern Widerstand. Erst aufgrund der Drohungen der beiden Streikführer und der massiven Präsenz der 700 Streikenden vor der Fabrik, legten sie, um Gewalt zu verhindern, ihre Arbeit nieder.

Der Beitrag basiert auf Originaltexten, die vom Historiker Max Lemmenmeier recherchiert und zur Verfügung gestellt wurden. Der Schauspieler Matthias Flückiger berichtet aus der Sicht von Franz Zürn von diesem Ereignis. Eine Videoinstallation von Kristian Breitenbach zeigt  Muster der berühmten St.Galler-Spitzen aus dem Fundus des Textilmuseums St.Gallen und gibt so einen Eindruck in die damals blühende Textilindustrie. Der Beitrag des Kantons St.Gallen wird unterstützt durch das Amt für Kultur Kanton St.Gallen. Konzept und Regie: Nelly Bütikofer, Darsteller: Matthias Flückiger , Historische Beratung: Max Lemmenmeier, Videoinstallation: Kristian Breitenbach. Weitere Infos, Anfangszeiten und Ticketreservationen: www.1918.ch

Die involvierten Personen:

Nelly Büttikofer, Choreografin, Regisseurin, wohnt in Rapperswil/SG:
Sie ist in klassischem Tanz ausgebildet und arbeitet seit vielen Jahren als freischaffende Choreografin und Regisseurin im Spannungsfeld von Tanz, Theater und Performance. 1995 gründete sie das Fasson Theater, das sie als künstlerische Leiterin führt. Sie hat viele Arbeiten mit der ihr eigenen Tanzsprache auf die Bühne gebracht. Ihre Stücke zeichnen sich durch einen feinfühligen Spürsinn und subtile Vielschichtigkeit aus und bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Tanz, Performance und Theater. Seit 2003 lebt und arbeitet sie in Rapperswil. Ihre Projekte führen sie in die ganze Deutschschweiz, vereinzelt auch nach Deutschland und Österreich. Der geografische Schwerpunkt ihres Schaffens ist jedoch die Ost- und Zentralschweiz und sie ist immer wieder mit ihren verschiedenen Projekten  an vielen und unterschiedlichen Spielortenauch im Kanton St.Gallen präsent. Von 2002 – 2006 programmierte sie das Fabriktheater in Rapperswil, leitete von 1999 – 2011 die bühne fasson in Lachen (SZ) und organisiert seit mehreren Jahren Tanz und Performance in der Region des oberen Zürichsee.

Matthias Flückiger, Schauspieler, wohnt in St.Gallen:
Er wurde an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst am Mozarteanum in Salzburg zum Schauspieler ausgebildet. Er war von 1991 – 2001 am Theater St.Gallen als Schauspieler engagiert. Seit 2001 arbeitet er als freischaffender Schauspieler, Sprecher, Regisseur und Pädagoge und hat in unzähligen Produktionen und Filmen mitgewirkt. Auswahl seiner Arbeiten Theater: Oper im Knopfloch „Macbeth“ und „The Bear/Der Bär“, Noldi Alder „LOBA“, Tanztheater St.Gallen „Durchzug“, „Die verkehrte Welt“ Kantonsschule St.Gallen; Kino: „Lüthi und Blanc“ SF DRS, „Ein klarer Fall“, Rolf Lyssy, „Grounding“, Michael Steiner, Werbefilm Migros Bank, „Ein seltsamer Tag“ Elvira Eisenring, „Die Welle“ SF DRS.

Max Lemmenmeier, Historiker, wohnt in St.Gallen:
Max Lemmenmeier, geb. 1951, Studium an der Universität Zürich in den Fächern Allgemeine Geschichte, Neuere deutsche Literatur und Schweizergeschichte; Doktorat 1982 mit der Arbeit „Luzerns Landwirtschaft im Umbruch“; Nachdiplomstudium Universität Bielefeld 1979-1981; Lehrbeauftragter an der Universität Zürich 1976-1984; Mittelschullehrer für Geschichte und Deutsch in St.Gallen 1981-2014; Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Winterthur 2000-2016; Mitautor der Geschichte der Schweizerischen Arbeiterbewegung (1975), der Geschichte des Kantons Zürich (1992), der Schrift 80 Jahre Generalstreik (1998), der Geschichte des Kantons St.Gallen (2003) und Untersuchung: Die Ostschweiz und der grosse Krieg (2014); Lehrbeauftragter der Universität St.Gallen; Inhaber der Firma Lemmenmeier Beratung: Dienstleistungen im politischen und historischen Umfeld.

Kristian Breitenbach, wohnt in St.Gallen:
Er ist in Dresden aufgewachsen und lebt in St.Gallen. Nach seinem Tanzstudium an der Palucca-Schule Dresden, Hochschule für Tanz wurde er von den Staatstheatern Saarbrücken und Braunschweig sowie an den Theatern Osnabrück und St.Gallen engagiert. Dazwischen lagen einige Jahre als freiberuflicher Tänzer in Berlin. Er arbeitete u.a. mit Choroegrafen wie Xaver Le Roy, Leander Haussmann, Luc Dunberry und Marco Santi. Noch während seiner Tänzertätigkeit am Theater ST.Gallen bildete er sich im Film und Medienbereich weiter und arbeitet nun als Video-Szenograf, Editor und Regissuer. Seit 2008 entwickelt er eigene Trailer, Filmbeiträge und Video-Szenografien u.a. für das Theater St.Gallen, Opéra de Lausanne, Theater Bern und für die freie Tanz- und Theaterszene. (Text/Bilder: pd und www.1918.ch)

In Rorschach selber wird am Samstag, 20. Oktober, ein grosser Anlass zum Anlass „100 Jahre Landesstreik“ durchgeführt.