Kongo – eine Reise in eine zerrüttete Welt

Es war ein spannender und auch sehr gut besuchter Abend, den alt Nationalrat Andrea Hämmerle und Schauspieler Simon Engeli am Montagabend im BWZ Rorschach mit ihrem Bericht „Kongo, eine Reise in eine zerrüttete Welt“ gestalteten und mit Bildern, Filmsequenzen und Musik illustrierten.

„Herz der Finsternis“ wird die Demokratische Republik Kongo auch genannt, von einer Reise dorthin wird sonst dringend abgeraten. Trotz des Rohstoffreichtums ist sie eines der am stärksten zerrütteten Länder der Welt. Vor rund 140 Jahren hatte der Abenteurer Henry Stanley dem belgischen König Leopold II mit grausamen Methoden geholfen, den Kongo in willkürlich gezogenen Grenzen in seinen Privatbesitz zu bringen. Wer sich nicht fügte, wurde  gefoltert, z.B. wurden ihm die Hände abgehackt. 1908 fiel das Gebiet, so gross wie Westeuropa, an den belgischen Staat, der die Rohstoffe auszubeuten begann und eine Infrastruktur aufbaute. 1960 wurde der Kongo unabhängig, aber sein erster Präsident, Patrice Lumumba, ein linker Nationalist, wurde ermordet, angeordnet von den Regierungen Belgiens und der USA. Vom Westen im Zeichen des Antikommunismus gehätschelt, kam für 30 Jahre Sese Seku Mobutu an die Macht, der den Kongo weiter plünderte. Ein Teil seines Milliarden schweren Vermögens verwalteten Schweizer Banken. Den „Mobutismus“ (Kleptokratie als Staatsform) führten auch seine Nachfolger weiter: Laurent Kabila und der noch amtierende Sohn Josef Kabila. Vom Staatsbudget in der Grösse eines mittleren Schweizer Kantons beansprucht der Präsident allein so viel wie das gesamte Gesundheitssystem für 80 Millionen Einwohner. Internationale Rohstoffkonzerne haben freie Hand und schöpfen den Reichtum des Landes ab. Die Folge sind verfallene Gesundheits-, Bildungs- und Verkehrssysteme, Slums, täglicher Überlebenskampf – und Korruption und Kriminalität.

Trotzdem gab es von dieser Reise auch Positives zu berichten von Be­gegnungen mit mutigen Künstlern, einfachen Bauern, unermüdlichen Hebammen. Bei den besuchten HEKS-Projekten in der Bürgerkriegsregion Goma beeindruckte, wie bei Landstreitigkeiten vermittelt, landwirtschaftliche Beratung erteilt und Hilfe nach sexueller Gewalt angeboten wird. «Man kann mit solchen Projekten nicht für alle den Himmel auf Erden schaffen, aber immerhin für einige Menschen die Hölle auf Erden beseitigen», sagte Simon Engeli. Die rund 60 Besucher des Abends, die auf Einladung der SP Rorschach Stadt am See und HEKS gekommen waren, legten für ein solches Projekt eine Kollekte von 830 Franken zusammen. Nach einer lebhaften Fragehalbstunde konnten einige Schlussfolgerungen gezogen werden: Wir alle haben mit dem Handy ein Stück Kongo im Sack (Koltan). Mit der Konzernverantwortungsinitiative, die nächstes oder übernächstes Jahr zur Abstimmung kommt, können wir für mehr Gerechtigkeit sorgen. Denn wenn die Kluft zwischen Reich und Arm nicht verringert wird, werden noch Millionen die „Reise der Hoffnung“ nach Europa antreten. Welches wird dann weltweit die Zukunft sein: Unser Lebensstil oder der im Kongo? (Text: Arne Engeli / Bilder: Ariane Thür Wenger)