Zum 600. Geburtstag Einblicke ins Kloster Mariaberg

Ruedi Schär hat dem Rorschacher Echo nachstehenden Bericht zukommen lassen. Herzlichen Dank. Der Name „Ulrich Rösch“ ist in der Region nicht unbekannt. In Goldach ist eine Strasse nach ihm benannt und in Rorschach erinnert das Kloster Mariaberg an ihn als Erbauer. Ulrich Rösch wurde am 4. Juli 1426 geboren – also demnächst vor 600 Jahren. Rund um dieses Jubilkäum finden im Kanton St.Gallen einige Festivitäten statt – so auch in Rorschach, wo am Samstag, 4. Juli 2026, und Sonntag, 5. Juli 2026, von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr Führungen von rund 1,5 Stunden angeboten werden.

Fürstabt Ulrich Rösch zum 600. Geburtstag
Ulrich Rösch ist am 4. Juli 1426 in Wangen im Allgäu als Bäckerssohn geboren. Bereits in jungen Jahren trat er, durch Vermittlung eines verwandten Priesters ins Kloster St. Gallen als Küchenbursche ein. Der damalige Fürstabt Eglolf Blarer erkannte die Fähigkeiten und schickte ihn in die neugegründete Klosterschule in St. Gallen. Ab 1440 war er Mönch im Benediktinerkloster St. Gallen. 1451 wurde er zum «Grosskeller» des Klosters ernannt und als Mitglied des Konvents zuständig für die wirtschaftlichen Belange. Kardinal Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II., übertrug Ulrich im Jahr 1457 als neu ernanntem Pfleger die Klosterverwaltung in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten. 1463 wurde er zum Fürstabt gewählt. Der tatkräftige Abt lenkte die, auf eine Adelsherberge reduzierte und stark verschuldete Abtei wieder in geordnete Bahnen und gilt deshalb als 2. Gründer des Klosters St. Gallen.

Ulrich Rösch erbaute in Rorschach das Kloster Mariaberg
Der ursprüngliche Bau war als Verlegung des Klosters St. Gallen nach Rorschach geplant. So sollte den anhaltenden Spannungen mit der Stadt St. Gallen ausgewichen werden. 1483 willigte der Mönchskonvent in die Verlegung ein. Anzunehmen sei, dass die Niederlassung in St. Gallen nicht gänzlich aufgegeben worden wäre. Der Bau war konzipiert als Festung und ausgestattet mit Mauern, Türmen, Gräben und Zugbrücke. Er sollte ein Machtzeichen setzen. Die mit dem Beginn des St. Gallerkrieg 1485 begonnenen Arbeiten wurden jedoch 1488 zunächst zerstört. Im sogenannten Klosterbruch zerstörten Stadtsanktgaller, die mit ihnen verbündeten Appenzeller und zahlreiche Gotteshausleute die bereits geweihte Dreiflügelanlage. Die Anlage in Mariaberg wurde dann 1497–1518 als Benediktinerkloster fertiggestellt aufgrund der Reformation aber nie als solches bezogen. Die von dem Münchner Bildhauer Erasmus Grasser als Baumeister geplante Anlage in Mariaberg gilt als „die mächtigste spätgotische Klosteranlage der Schweiz“.

Die Gebäude dienten dem Kloster St. Gallen als Statthalterei. Es wurden bauliche Umgestaltungen mit barocken Ausstattungen zu einer fürstlich geprägten Residenz. Nach Aufhebung des Klosters St. Gallen 1803 wechselte die Anlage mehrmals die Hand. 1866 kaufte der Kanton St. Gallen Mariaberg und richtete das kantonale Lehrerseminar ein. 1969–1978 wurde der Südflügel, wo einst die Kirche geplant war, ausgebaut. Heute beherbergt es die Pädagogische Hochschule des Kantons St. Gallen sowie eine Gemeinnützige Stiftung zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung.

In Wil baute Ulrich Rösch den Hof zum «weltlichen» Verwaltungszentrum aus. Er ist der Baumeister des Hofes in seiner heutigen Grösse und Form. Ebenso vollendete er den Bau des Kirchenschiffes der Kirche St. Nikolaus, deren Bau infolge der Pest und mangelnder Finanzen nicht fertiggestellt werden konnte. Das Kloster Maria Berg in Rorschach entstand ebenfalls unter ihm. So liess er auch viele Fischweiher im Reiche des Klosters errichten, so auch den oberen Weiher in Wil.  Im März 1491 starb Ulrich Rösch in seinem geliebten Hof. St. Galler und Wiler Bürger trugen ihn zu Fuss nach St.Gallen, wo er am 15. März 1491 beerdigt wurde.

Feierlichkeiten in Wil am 4. und 5. Juli 2026
Feierliche Hoferöffnung am Samstag, 4. Juli 2026 ab 10.30 Uhr auf dem Hofplatz mit Ansprachen und Segnung des Hofes durch Bischof Beat Grögli und Pfarrer Christof Casty, mit musikalischer Umrahmung. 16.30 Uhr Konzert des Städteorchesters Allgäu zu Ehren von Ulrich Rösch. Am Sonntag, 5. Juli 2026 um 11.00 Uhr Festgottesdienst zu Ehren von Ulrich Rösch (600. Geburtstag) in der Stadtkirche St. Nikolaus mit Sebastian Wetter, Generalvikar, es erklingt dazu die Pancratiusmesse von J. B. Hilber mit dem Sinfonischem Orchester Wil und dem Chor zu St. Nikolaus.

Kloster Mariaberg
Das ehemalige Kloster Mariaberg in Rorschach am Bodensee ist die mächtigste spätgotische Klosteranlage der Schweiz. Mit seiner einzigartigen Architektur nimmt es Besucherinnen und Besucher auf eine Zeitreise der unterschiedlichsten Baustile mit. Der Grundbau des Klostergebäudes ist spätgotisch. Die zahlreichen Zerstörungen und Wiederaufbauarbeiten haben jedoch dazu geführt, dass die verschiedenen Epochen im Mariaberg ihre Spuren hinterlassen haben – vom spätgotischen bis zum barocken Stil. Nebst den architektonischen Sehenswürdigkeiten bietet das Gebäude aber auch einen vielseitigen Einblick in die Geschichte der Schweiz ab dem 15. Jahrhundert. Die Klosteranlage beherbergt die Pädagogische Hochschule des Kantons St.Gallen, die Stiftung und der Ehemaligenverein Mariaberg.
Tage der offenen Tür: Samstag, 4. Juli 2026 und Sonntag, 5. Juli 2026 vom 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Führungen jeweils 10.00 Uhr und 14.00 Uhr ca. 1,5 Stunden.

Kathedrale St. Gallen
Nach seinem Tod im März 1491 in Wil wurde Rösch in zu seiner letzten Ruhestätte im Kreuzgang an der rechten Außenwand des Münsterchores gebracht, wo er am 15. März 1491 bestattet wurde. Das prächtige Grabmal, dessen Ausstattung Rösch schon Jahre vor seinem Tod beaufsichtigt hatte, wurde während des Bildersturms 1531 zerstört. Nur ein Freskenfragment des doppelten Hochgrabes ist erhalten.  Besichtigung des Grabes von Ulrich Rösch mit Erklärungen von Frau Dr. Katrin Roth-Rubi, Stiftung FSMA (Stiftung hat die Ausgrabungen vor 60 Jahren gemacht, war kürzlich in den Medien). Sonntag, 5. Juli von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr.

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