Ausstellung: Die Zeppeline und ihre Botschaften…

In Friedrichshafen auf der anderen Seeseite wurde letzten Freitag eine interessante Ausstellung eröffnet. Und da diese Zeppeline in den nächsten Wochen auch immer wieder über unsere Köpfe schweben hat das Rorschacher Echo dazu nachstehenden Text erhalten.

„Gefühlte Wahrheiten per Definition des Museums: Gefühlte Wahrheiten sind subjektive, emotionalisierte  Annahmen und Überzeugungen. Sie entstehen in öffentlichen wie in privaten Räumen des (un)bewussten Verschweigens, Ausblendens oder Verdrängens. Oft verbirgt sich hinter ihnen keine gezielte Leugnung von Fakten, sondern unreflektiertes Gehörtes, unhinterfragtes Gelerntes und nicht widersprochenes Gesagtes. Mitunter sind sie Ergebnis gezielter Beeinflussung durch Propaganda und reproduzieren Verschwörungsnarrative, Vorurteile und Geschichtsverdrehungen.

Als Beispiel für diese Aussagen dienen in der Ausstellung im Zeppelin Museum natürlich die Zeppeline. Auch sie sind nostalgisch verklärt. Sie gelten bis heute fälschlicherweise als unpolitische Technik. Dieses undifferenzierte Bild wurde wiederholt, nacherzählt verinnerlicht und ist bequem. Es dient als Nährboden für „Gefühlte Wahrheiten“ um Zeppeline und ihre Geschichte, insbesodere im Kontext des Nationalsozialismus.

Heute wie vor 100 Jahren werden mit Zeppelinen wirksame Botschaften verbreitet und vermittelt. Je nach Standpunkt und Absicht wurden diese Botschaften weitergetragen und verfestigten sich im kollektiven Bewusstsein. Das Bild des „….im friedlichen, völkerverbindenden, ruihg dahingleitenden Fluge, wie ein silberner Wal am Himmelmeer über Länder und Oziane hinweggleitend.“ Wie ihn der damalige Leiter des Zeppelinkonzerns, Dr. Hugo Eckener, gerne schilderte hat sich dabei durchgesetzt. Doch ist dies eben nur die halbe- oder eben gefühlte Wahrheit. So friedlich wie heute waren die Absichten und Botschaften der Zeppeline nicht immer. Als politische Botschafter wurden sie subtil, perfid oder ganz pompös eingesetzt. Diese Botschaften wurden vom Nazionalsozialismus aufgenommen und gezielt perfektioniert eingesetzt. So lange, wie es für das Naziregime von Nutzen war.“

Ergänzend sei das Buch von Ortwin Renn erwähnt: „Gefühlte Wahrheiten – Orientierung in Zeiten postfaktischer Verunsicherung“
Gefühlte Wahrheiten: Orientierung in Zeiten postfaktischer Verunsicherung.
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