Das open art museum an der Davidstrasse 44 in St.Gallen startet kommenden Sonntag, 15. März 2026, eine ganz besondere Ausstellung. Hier ein Teil der Medienmitteilung und der Link dazu.
Stranger Than Paradise: 15. März bis 7. Juni 2026 | open art museum, St.Gallen – Vernissage: Sonntag, 15. März 2026 um 11 Uhr
Der Teppich wird erneut ausgerollt. Die monumentale Bildcollage aus der Olma-Sonderschau 2025 kommt ins Museum. Mit Stranger Than Paradise setzt das open art museum, St.Gallen den Teppich in einen neuen Kontext zwischen paradiesischer Harmonie und gebrochener Idylle.
Die Ausstellung wird am Sonntag, 15. März 2026, um 11 Uhr mit einer gemeinsamen Begehung und einem Gespräch mit der Textilforscherin Thessy Schoenholzer Nichols eröffnet. Im Anschluss an die Eröffnung gibt es ab 14 Uhr eine Kindervernissage mit Kunstvermittlerin Isabell Krähenmann, bei der Miniaturgärten gestaltet werden. Die Teppich-Collage entstand für die Sonderschau des open art museum an der Olma 2025 und wurde von Studierenden und Ehemaligen der Höheren Fachschule für Gestaltung GBS St.Gallen entworfen, unter der Leitung von Markus Pawlick, Lehrgangsleiter HF Produktdesign.
Die Bilder des Teppichs stammen aus der Museumssammlung. Sie sind in der Ausstellung nun im Original zu sehen und werden thematisch um weitere Werke ergänzt. Viele Motive zeigen verklärte Natur, Idealisierungen bäuerlichen Lebens oder paradiesische Szenerien. In der Zusammenschau wirken diese Bilder jedoch oft irritierend. Das scheinbar Vertraute bekommt Risse, das Idyll wird gebrochen oder ins Absurde geführt. Die Ausstellung bewegt sich bewusst zwischen diesen Gegensätzen. Im Zusammenspiel dieser vielfältigen Positionen entsteht kein einheitliches Bild des Paradieses, sondern eine bunte Collage – wie der Teppich selbst. Das Paradies dient in der Ausstellung als kulturelles Motiv und als Projektionsfläche individueller Bildwelten.
Im Kabinett zeigt die Textilforscherin Thessy Schoenholzer Nichols textile Miniaturgärten. Prachtvoll gestaltet, drehen sie sich glitzernd und funkelnd im Licht. Ihre Schatten vergrössern die Gärten und füllen den Raum. Hier kann man sich in der Illusion eines Paradieses verlieren. Die Installation ist ein poetischer Gegenpol im Ausstellungsparcours: Sie bietet eine kontemplative Unterbrechung und wirkt als Ort atmosphärischer Verdichtung. Nach farbintensiven, erzählerischen Paradiesbildern öffnet sich hier ein Raum der Stille. In der Begegnung mit all diesen Werken wird deutlich: Das Paradies ist kein fixes Bild. Es artikuliert sich mal als detailreiche Erzählung, mal als symbolische Verdichtung, mal als nahezu abstrakte Struktur. Es entsteht in der eigenen Imagination ebenso wie im Dialog zwischen Werk und Betrachtenden.
Das Paradies als fragile Fiktion
Der Titel Stranger Than Paradise erhält in diesem Kontext eine doppelte Bedeutung. Zum einen verweist er auf die Fremdheit, die sich im scheinbar Vertrauten verbirgt. Der üppige Garten, ein Tier, ein Menschenpaar – alles scheint bekannt und doch anders, wenn es durch den intensiven Blick einer persönlichen inneren Wahrnehmung betrachtet wird. Zum anderen legt der Titel nahe, dass das Paradies selbst eine Konstruktion des Fremden ist: ein letztlich unbekanntes Ideal, das unerreicht bleibt; eine Utopie, die gerade deshalb ihre Faszination behält.
Das Motiv des Paradieses ist ein universelles kulturgeschichtliches Konzept, das in verschiedenen Religionen als Ort oder Zustand vollkommener Glückseligkeit existiert. Gleichwohl dient es als Projektionsfläche für individuelle Erfahrungen und als Spiegel innerer Bilder: Es ist Sehnsuchtsort, Rückzugsraum, Bühne überbordender Fantasie und manchmal auch Fluchtpunkt aus einer als schwierig erlebten Realität. Das Paradiesische ist in der Naiven Kunst und der Art Brut ein wiederkehrendes Motiv.
Als Institution, die sich diesen Kunstbereichen und verwandten Ausdrucksformen widmet, stellt das open art museum in St.Gallen nicht akademische Perfektion, sondern authentische Bildfindung in den Mittelpunkt. Künstlerische Qualität ist hier nicht an Ausbildung oder Konvention gebunden, sondern an Intensität, Eigenständigkeit und Konzentration auf den subjektiven Ausdruck. Die in dieser Ausstellung versammelten Künstlerinnen und Künstler eint nicht eine gemeinsame Stilrichtung oder eine verbindende Idee, sondern eine Haltung: die kompromisslose Hinwendung zu ihren inneren Bildwelten, auch wenn diese sich an der äusserlich sichtbaren Wirklichkeit orientieren. (Text/Plakate: pd oam ts)



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