Nach der HV ist vor einer ausserordentlichen HV

Die ordentliche 9. Hauptversammlung des FC Rorschach-Goldach 17 am letzten Montag im Stadthofsaal verlief in letzter Konsequenz nicht nach dem Gusto des Vorstandes. Die anwesenden 130 Stimmberechtigten folgten mehrheitlich dem Antrag einer Erhöhung der Mitgliederbeiträge nicht, was wiederum dazu führte, dass weder über ein Budget noch anstehende Wahlen abgestimmt werden konnte. Jetzt besteht zügig Handlungsbedarf, denn die Meisterschaft läuft bereits auf Hochtouren. Eine ausserordentliche Hauptversammlung soll raschmöglichst Klarheit in die festgefahrene Situation bringen. Doch vorerst schön der Reihe nach.

Präsident Markus Hundsbichler machte in seinem Jahresbericht deutlich, dass sein präsidialer Blick zurück sich  nicht nur auf den sportlichen Erfolg, sondern auch der gesellschaftliche Beitrag, welcher ein Verein bringt, sowie immer wieder die Infrastruktur und Organisation und die Mitwirkung der Mitglieder miteinbezieht. „Wir blicken auf eine überragende Saison der 1. Mannschaft zurück, welche mit dem Aufstieg in die 2. Liga Interregional gekrönt wurde. Meine Anerkennung an das Trainerteam, den Staff und die Spieler, welche zu diesem Erfolg beigetragen haben. Eine ausgezeichnete Saison verzeichnete auch unsere 2. Mannschaft, welche souverän den Ligaerhalt schaffte und sogar lange Zeit mit einer Spitzenplatzierung liebäugeln konnte“, sagte Markus Hundsbichler. Doch der Präsident konnte nicht nur loben: „Bei allem sportlichen Erfolg gibt es auch einen Wermutstropfen. Unsere Strafenbilanz – auch im schweizerischen Vergleich – ist viel zu hoch. Eine Platzierung im letzten Drittel unter den Schweizer Vereinen ist völlig ungenügend und spricht nicht für unsere Werte wie Fairness und Respekt. Da haben wir dringenden Handlungsbedarf.“

Der wichtige Beitrag zur Integration
„Mit seiner grossen Junioren- und Juniorinnen Abteilung leistet der FC Rorschach-Goldach 17 einen grossen gesellschaftlichen Beitrag. Auch bei unserem Verein sind Migrantenkinder längst in der Mehrheit. Sie heissen Aaron, Makolajev oder Asad. Ihre Eltern sprechen schlecht oder gar kein Deutsch. Das Mitmachen im Sportverein ist für sie, nebst der Schule, der wichtigste Bezugspunkt zur schweizerischen Gesellschaft und damit zur Kindern aus anderen Kulturen und Schichten. Persönliche Begegnungen und die Einbindung in soziale Strukturen sind zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration. Sie wirken der Bildung von sozio-kulturellen Milieus entgegen. Die Leistung von Sport – namentlich von Fussballvereinen, die mit besonders vielen Migrationskindern konfrontiert sind – kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, führt der Präsident aus.

Neue Kunstrasenplätze auf Kellen
Grosse Freude hat Markus Hundsbichler an den neuen Kunstrasen-Plätze auf Kellen. „Einen ganz speziellen Dank geht hier an Stadtpräsident Robert Raths, Präsident des Zweckverbands Kellen, für seinen Einsatz, damit der Ersatz überhaupt ermöglicht werden konnte. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass sich unser Verein mit CHF 150’000.—an den Kosten beteiligt hat. Dieser Betrag muss über Jahre amortisiert werden. Die neuen Kunstrasen-Plätze verbessern die Qualität der Bedingungen, lösen aber nicht das Platzproblem generell. Um einen geordneten Trainings- und Spielbetrieb gewährleisten zu können, sind wir auf die Benutzung der anderen Anlagen angewiesen. Kein Verständnis kann ich dafür aufbringen, dass aus Spargründen Unterhaltsarbeiten auf Sportplätzen minimiert oder gar ausbleiben. Dies beschränkt die Belast- und Benutzbarkeit der Anlagen stark und tangiert unseren Trainings-und Spielbetrieb. Von der Verletzungsgefahr auf ungepflegten Anlagen ganz abgesehen.“

Der Dank an alle
Seinen eigenen Jahresbericht schloss Präsident Markus Hundsbichler mit vielen Dankesworten: „Mein Dank geht in erster Linie an meine Vorstandskollegen und Funktionäre, welche trotz beruflicher Belastung einen enormen Einsatz für unseren Verein leisten. Einen herzlichen Dank richte ich zudem an unsere Sponsoren und im speziellen an die Gönnervereinigung Donnerstag-Club sowie den Club 1949. Ohne ihren Beitrag wäre der Betrieb des FC Rorschach-Goldach 17 in der heutigen Form schlicht nicht mehr möglich. Ein ganz grosses Dankeschön auch an all unsere Trainer , welche sich täglich dafür einsetzen, dass die ihnen anvertrauten Kinder ihren Lieblingssport ausführen können.“

Erfogreiche Jugendarbeit
Der Leiter der Juniorenabteilung, Roman Hächler, konnte grossmehrheitlich positives aus dem Juniorenbereich berichten. Die grosse Anzahl von Teams bringt immer auch viel Arbeit mit sich. „Aber der Aufwand lohnt sich, auch wenn man sieht, wie aktuell eigene Spieler in der 1. Mannschaft zum Zuge kommen“, so der Juniorenobmann, der auf die nächste ordentliche HV sein Amt zur Verfügung stellen will.

Knacknuss Mitgliederbeiträge
Jahresrechnung und Revisorenbericht wurden genehmigt. Da der Verein in den letzten zwei Jahren aber ein Defizit vorlegen musste, mahnte der Vorstand schon seit längerer Zeit, dass eine Trendumkehr notwendig sei. Die vorgeschlagene Erhöhung der Mitgliederbeiträge um 100 Franken (die Mitgliederbeitragserhöhung sollte mit der Ergänzung der Abarbeitung auf das aktuelle Beitragsniveau und dem damit zusammenhängenden Vereinsengagement verstanden werden), wurde zuerst  mit 55:54 bei 13 Enthaltungen äusserst knapp angenommen. Angesichts des lediglich 1 Stimmen-Vorsprungs schlug der Präsident vor, die Abstimmung nochmals durchzuführen. Der zweite Anlauf führte dann zur Ablehnung, was wiederum dazu führte, dass das Budget nicht genehmigt werden und auch der Vorstand sich nicht bestätigen lassen konnte.

Somit muss der Verein, damit er überhaupt handlungsfähig bleibt, an einer ausserordentlichen Hauptversammlung erneut über ein Budget abstimmen lassen. Inwieweit da alte oder neue Mitgliederbeiträge involviert werden wird der Vorstand entscheiden müssen. Dafür braucht es eine saubere Kommunikation, damit die Mitglieder wissen, was da alles auf dem Spiel steht. Und jene, die am Montagabend nein sagten, haben nur von ihrem demokratischen Recht Gebrauch gemacht. Und vielleicht hilft auch hier, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Problematik eine veränderte Sichtweise zulässt. Man wird sehen, ob dem FCRG17 „ein heisser Budget-Herbst“ bevorsteht oder ob man sich bilateral einigen kann. Das Rorschacher Echo bleibt da auf jeden Fall am Ball.

Ferruccio Vanin zum Ehrenmitglied ernannt

Präsident Markus Hundsbichler stellt dann zum Abschluss der ordentlichen 9. Hauptversammlung den Antrag, den aus dem Vorstand scheidenden Ferruccio Vanin zum Ehrenmitglied zu ernennen. Die Anwesenden taten dies mit einem kräftigen Applaus und würdigten so die enormen Verdienste von Ferru. Weiter ehrte der Präsident Martin Koller und Sonja Knellwolf für ihre Tätigkeiten zu Gunsten des Vereins. Und zum „Mitglied des Jahres“ wurde Carmelo Campobasso ernannt, der nebst seinem Trainerjob bei der 2. Mannschaft in der vergangene Saison Initiant und OK-Chef des sehr erfolgreichen Stella-Festes war. Und wie üblich traf man sich nach der HV im Innenhof des Stadthofs bei Bier, Bratwurst und Bürli.

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1 Kommentar zu "Nach der HV ist vor einer ausserordentlichen HV"

  1. Danke für die verständliche Berichterstattung – im Gegensatz zu derjenigen im Tagblatt, wo man schlicht nicht nachvollziehen konnte, was vorgefallen ist.

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