Die „Billboards am See“ gehen in die sechste Saison

Heute Samstag ist um 11 Uhr Vernissage auf der Westseite vom Kornhaus. Cornelius Krucker schreibt dazu:

Die Billboards am See in Rorschach gehen mit «information was lost» von Donia Jornod in die sechste Saison

Auch in diesem Jahr wird die Seepromenade in Rorschach mit einer künstlerischen Intervention bespielt. Die transmediale Künstlerin Donia Jornod, in Genf geboren und aktuell von Zürich aus tätig, hat für die Billboards am See neue Werke ihrer Serie «information was lost» geschaffen. Das Projekt basiert auf ihren Recherchen zu Quellenmaterial aus dem Algerienkrieg (1954-1962) in Archiven der Stadt Paris. Der Vergleich von Beschreibungen der gleichen Ereignisse aus der Sicht der verschiedenen Seiten zeigt, wie die Zensur und die Manipulation von Fiktion und Realität diesen Konflikt durchdrungen haben. Zahlreiche Archive sind nach der Befreiung Ageriens ausserdem verschollen oder zerstört worden – einige wurden sogar ins Meer geworfen. Die Suche nach einer absoluten Wahrheit erweist sich dadurch als unmögliches Unterfangen.

Donia Jornod hat aus dem gesammelten Material ein imaginatives Geflecht gesponnen, das die familiäre und kollektive Erinnerung überbrückt und ein gemeinsames visuelles Gedächtnis bildet. Sie setzte die vorgefundenen Archivfragmente in Form von visuellen Patchworks zusammen, die mit der Gegenüberstellung und der Resonanz zwischen den Bildern spielen. Damit knüpft sie an den Kunsthistoriker Aby Warburg an. Warburg organisierte Bilder in Konstellationen, um verborgene Zusammenhänge und Dynamiken zu enthüllen. Es geht nicht darum, eine lineare Erzählung zu schaffen, sondern eine neue Lesart anzubieten, bei der das Gedächtnis und die Geschichte offen für Interpretationen bleiben.

Gestern wurden die beiden Bilderständer montiert und heute sind sie bespannt.

Donia Jornod (*1991, Genf) lebt und arbeitet derzeit in Zürich. Ausgebildet als Architektin (EPFL und ETH Zürich), verwebt die «digital native» als transmediale Künstlerin nahtlos analoge und digitale Welten miteinander. Das Werk von Donia Jornod konzentriert sich auf die wahrnehmbaren Grenzen der Realität durch den menschlichen Körper. Sie ist auf der Suche nach dem Moment, in dem sich ein mentales Bild, eine Erinnerung auflöst und verformt und sich Realitäten überlagern. Sie arbeitet sowohl mit digitalen als auch mit physischen Medien und hat eine Faszination für den Körper entwickelt, den sie als Echo eines politischen Zustands versteht.

Der Verein KulturFrühling Rorschach
2002 von Elisabeth und Thomas Krucker gegründet, bildet der Verein KulturFrühling seither mit vielfältigen Aktivitäten eine Plattform für Kulturschaffende in der Region Rorschach und deren Vernetzung. Den Startschuss bildete der Event «Kulturfrühling» am 6. Mai 2006 mit einem kulturbunten Samstag an der für den Verkehr gesperrten Mariabergstrasse, mit über hundert Beteiligten aus verschiedensten Kulturgattungen an mehr als einem Dutzend Lokalitäten vom Bodensee bis zum ehemaligen Kloster Mariaberg. Nach verschiedenen Kunstaktionen, Musik und Literaturlesungen an unterschiedlichen Orten in der Stadt wurde ab 2010 der Projektraum am See im Kornhaus Rorschach initiiert. Dort lud der KulturFrühling zweimal jährlich zu «rendezvous» ein: Ausstellungen mit Rahmenprogramm von Literatur, Performance und Musik. Ein wesentlicher Aspekt des Projektes war die Förderung künstlerischer Aktivitäten in Rorschach, das Vermitteln von Kunst im öffentlichen Raum und das Schaffen einer Begegnungsmöglichkeit mit Künstlerinnen und Künstlern und dem zeitgenössischen Kunstschaffen. Bis zum Ende des Projekts im Sommer 2018 konnte so 75 Kunst- und Kulturschaffenden eine Plattform geboten werden. Seit 2019 konzentriert sich der Verein auf die «Billboards am See» als Nachfolgeprojekt im öffentlichen Raum, auf dem Platz neben dem Kornhaus. Die prominente Lage an der Seeuferpromenade ermöglicht es, mit einem äusserst niederschwelligen Angebot ein breites Publikum anzusprechen.

Vernissage: Heute Samstag, 26. April, 11 Uhr. mit Apero auf dem Kornhausplatz

Matinée: Samstag, 14. Juni, 11 Uhr . im Kulturraum im Kornhaus

Finissage: Sonntag, 2. November, 11 Uhr, mit Apero auf dem Kornhausplatz

 

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