Die Spitäler sind Thema – und eben auch nicht

Die Spitaldebatte im Kanton St. Gallen ist ein Dauerthema. Am Samstag hat das Tagblatt den Leitartikel diesem Thema gewidmet und in der Online-Ausgabe ging man der Frage nach, ob das Spital Flawil eine Zukunft hat. Heute in einer Woche wird in Rorschach ein neuer Stadtpräsident gewählt. Die Frage rund um die Zukunft des eigenen Spitals vor unserer eigenen Haustüre hat kaum grosse Wellen geworfen. Irgendwie komisch.




1 Kommentar zu "Die Spitäler sind Thema – und eben auch nicht"

  1. Spitaldiskussion

    Die Spitalverbunde verbuchten 2018 einen Jahresumsatz von knapp 1.2 Mia. Franken.
    Das sind 1200 Millionen. Das Jahresergebnis 2018 resultiert ein Defizit von ca. 4 Mio. CHF (ca.0.35 Promille) . Bis in 3-4 Jahren resultiere gemäss Planerfolgsrechnungen ein Defizit von ca. CHF 50 Mio.
    Und genau diese prognostizierten Defizite sind nun Anlass für eine (aufgewärmte) Diskussion um Spitalschliessungen. Wohlverstanden: Erstens sind die prognostizierten Defizite nur bedingt relevant. Die Ergebnis-Prognosegenauigkeit liegt bei 1.2 Mia. Umsatz bestenfalls bei +-5% auf Sicht von 3-4 Jahren. Dann erstaunt, dass mit keinem Wort die betriebswirtschaftliche Komponenten angesprochen werden: Das Defizit von CHF 4 Mio . In 2018 entspricht 3 Promille des Jahresumsatzes.
    Die Frage ist doch berechtigt: Warum wird nicht die Diskussion geführt, wie man «besser» werden kann? Es geht ja nicht um riesige Defizite bezogen auf den Gesamtumsatz. Jeder gut geführte Betrieb ist in der Lage, eine Ergebnisverbesserung von 1% Jahr als normale Aufgabe zu betrachten – ohne deshalb gleich mit Prognosen den Teufel an die Wand zu malen und Filialschliessungen (= Spitalschliessungen) zu diskutieren.
    Warum also tut man das? cui bono?

    Dann ist unter Fachleuten und dem Personal bekannt: Die schleichende Verschiebung von finanziell lukrativen Fällen weg von den Landspitälern an die Zentrale schönert deren Rechnung und geht zu Lasten der Landspitäler. Unter dem Strich ein Nullsummenspiel aber der Schliessungsdiskussion dienlich. Die Landspitäler rutschen in die roten Zahlen.Ob und welche Zentralkosten (Allgemeinkosten) überhaupt und nach welchem Schlüssel den Landspitälern aufgebürdet werden und ob die stimmen(!) ist nicht nachvollziehbar. Auch hier würde der Betriebswirtschafter gerne einmal den Deckel heben.

    Niemand wehrt sich gegen kluge und sinnvolle Diskussion um die Orte der Leistungserbringung: wo sind aus welchen Gründen welche medizinischen/therapeutischen/administrativen Leistungen zu erbringen. Offensichtlich wurde diese Arbeit nicht oder als Pfusch oder politisch gefärbt gemacht – nicht anders sind die Hals- über Kopf Entscheide in Sachen Planungs-/Baustopp etwa in Wattwil zu werten. Denn strategische Entscheide wirft man nicht so schnell über den Haufen. Schliesslich wurde eine Strategie festgelegt und vom Volk darauf basierend ein Kredit von CHF 930 Mio. beantragt.

    Für Aussenstehende zeigt sich folgendes Bild:
    Der Verwaltungsrat und die Regierung holten einen Kredit von CHF 930 Mio. , bauen hier und da, stoppen nach belieben, legen keine neue Strategie vor, erhärten diese nicht nur eine betriebswirtschaftliche nachvollziehbare Planerfolgsrechnung – und lancieren eine unverantwortlichen Spitalschliessungsdiskussion.
    Damit untergraben sie ihre eigene Glaubwürdigkeit vor dem Stimmvolk – sie verunsichern das eigene Personal auf allen Stufen. Auch bestens und höchst qualifizierte Aerzte, die ob der Unsicherheit noch so gerne in die Arme von Privatkliniken flüchten. Und damit und selbstverständlich ein hochspezialisiertes Segment an Krankheitsfällen weg transferieren.
    Als letztes Fazit:
    VR und die verantwortlichen Regierungsräte haben auf der ganzen Linie versagt. Es wird Zeit, dass hier schnelle Veränderungen stattfinden. Eine erste Gelegenheit bietet sich bei den Ständeratswahl. Die nächste Gelegenheit kommt bei der nächsten Regierungsratswahl. Es ist zu hoffen, dass ein Betriebswirtschafter und Pragmatiker raschmöglichst das Gesundheitsdepartement übernimmt.
    Dem VR wäre zu wünschen, dass er sich sehr rasch erneuert. Ein Gesamtrücktritt wäre nicht unwillkommen- eigentliche logische Konsequenz: „Wir konnten es nicht“ zu sagen, ist keine Schande. Man muss es wollen und können.

    Wir bleiben dran.

    Grüsse
    Elsy Meier

Kommentare sind deaktiviert.