Dieser Wahlkampf wird andere Massstäbe setzen

Wir wissen zwar erst in 14 Wochen und 6 Tagen, wer neuer Stadtpräsident (oder allenfalls neue Stadtpräsidentin) in Rorschach wird. Da geht – wie man so salopp sagt – „noch viel Wasser den Bach runter“. Einer, der das für sich wichtige Terrain bereits jetzt absteckt, ist Kandidat Guido Etterlin. Heute Morgen hat er die regionale Presse gerufen und in seiner Einladung folgendes geschrieben: „Wenn Sie aus erster Hand erfahren möchten, wie ich einen weiteren Mosaikstein meines Wahlkampfes präsentiere, dann sind Sie herzlich eingeladen, heute um 10 Uhr auf den Curtiparkplatz in Rorschach zu kommen. Ich zeige Ihnen dann exklusiv, wie ich den direkten Kontakt zur Bevölkerung herstellen will und die Rorschacherinnen und Rorschacher mich auf eine neue Art und Weise kennen lernen können. Momentan sei nur so viel verraten: In dieser Form wurde das in Rorschach noch nicht gemacht …“. Das machte natürlich auch das Rorschacher Echo gluschtig.

Guido Etterlin wird einen Teil seines Wahlkampfes in ein leerstehendes Ladenlokal an der Mariabergstrasse 9 verlegen. Wie er an der heutigen Orientierung mitteilte, verfolgt er mit diesem Dialogbüro gleich drei Ziele: „1.: Ich möchte die Kommunikation vom und zum Rathaus verbessern und suche aktiv auf verschiedenen Kanälen den Dialog mit der Bevölkerung. Die Hürde ins Rathaus zu kommen ist für viele relativ hoch. So stelle ich mich dem und gehe raus aus den heiligen Hallen an der Hauptstrasse. 2.: In unserer Innenstadt verschärft sich die Problematik mit leeren Ladenflächen. In St. Gallen entstehen wenigstens für die vorübergehende Nutzung Pop-up Stores. Ich möchte dieses Thema aufnehmen. Wir müssen in Rorschach einen Weg finden, damit unser regionales Einkaufszentrum gestärkt werden kann. 3.: Ein modernes Rezept für Städte und den Klimaschutz ist «Sharing Economy». Das bekannteste Beispiel ist Mobility. Warum ein eigenes Auto halten, wenn es durchschnittlich 23 Stunden am Tag unbenützt in der Garage oder auf dem Parkplatz steht? Das gilt auch für mein Dialogbüro. Ich überlasse das Dialogbüro Vereinen für Sitzungen, Kulturschaffenden und weiteren, damit es in dieser Zeit möglichst oft und vielfältig genutzt wird. Ich bin bereits mit einem Kunstschaffenden in Kontakt, der eine Vernissage machen möchte. Es bietet sich damit eine Chance, dieses Thema zu transportieren und die Menschen für das Thema von Sharing Economy zu sensibilisieren“.

Mit dem Dialogbüro startet Guido Etterlin auch für sich ein Experiment und will in den nächsten 6 bis 8 Wochen intensiv den Kontakt mit der Bevölkerung suchen. Und primär zuhören. Dieser Begegnungsraum ist jeweils am Mittwoch ab 16 Uhr, am Freitag ab 17 Uhr und samstags ab 14 Uhr offen. Jetzt darf man gespannt sein, wie die Bevölkerung diese Chance nutzt. Die 3 Pinnwände sind von aussen leicht einsehbar und man kann selber leicht erkennen, was da für Kritik, Anliegen und Ideen platziert werden. Und Guido Etterlin wird auch weiterhin aktiv bleiben. Für kommende Woche hat er bereits seine nächste Videobotschaft in Aussicht gestellt.

Und noch etwas in eigener Sache. Letzte Woche hat mich ein Rorschacher Echo-Leser kontaktiert und mich gefragt, ob mir bewusst sei, dass ich mit „meiner einseitigen und inflationären Berichterstattung bezüglich des linken Kandidaten meine abkömmliche politische Orientierung kundtue“. Soviel vorweg: Je aktiver jemand in Rorschach ist, desto mehr kommt das im Rorschacher Echo. Die Richtlinien für den Stapi-Wahlkampf 2019 sind offen dargelegt und das Rorschacher Echo wird eine neutrale Rolle übernehmen. Und wenn dann Röbi Raths aktiv wird, wird auch er auf dieser Plattform zu finden sein. Es ist aber den Kandidaten selber überlassen, wann sie in welcher Form an die Öffentlichkeit treten wollen. Und das gilt auch für mögliche KandidatInnen, die wir heute noch nicht einmal kennen. Und zum Schluss noch dies: Ich war und bin SP-Mitglied, traue mir aber durchaus zu, als Herausgeber des Rorschacher Echos hier eine differenzierte Haltung einnehmen zu können und im Sinne eines konstruktiven Wahlkampfes für das Wohl unserer Stadt einen kleinen Beitrag zu leisten.