Pfahlbauers Saiten-Kolumnen nun als Buch erhältlich

Fast ein Vierteljahrhundert hat “Charles Pfahlbauer Jr.” für das St.Galler Kulturmagazin Saiten jeden Monat das Leben in unserer „Ostrandzone“ beschrieben. Nun liegen die besten Kolumnen des „vom grossen Pfahlbauersee“ in die „Gallenstadt“ umgezogenen Rorschachers als lustiges Taschenbuch im Disney-Format vor.  Vernissage ist morgen Donnerstag ab 19 Uhr in der Lukas Bar, St. Georgen-Strasse 34 in St. Gallen.

Wer die Kolumnen im Saiten genau verfolgt hat, weiss wahrscheinlich schon lange, wer hinter dem Pfahlbauer-Pseudonym steckt: Marcel Elsener, Ostschweiz-Redaktor beim St. Galler Tagblatt, hat als Pfahlbauer ein Alter Ego gefunden, das das Treiben in und um die Gallenstadt oft mit schwarzem Humor kommentiert.

Eine bunte Palette von Freunden – Braunauge, Rotbacke, Langhals, Rundbirne – treiben den oft lamentierenden Charlie dabei aber immer wieder an, doch auch das Gute in der Region zu sehen, von deren Potential Charlie selber auch in den dunkelsten Momenten überzeugt ist.

Ganz klar wird in den rund 300 Geschichten, die “Charlie” für Saiten geschrieben hat, nicht, warum er den Bodensee zugunsten der Gallenstadt verlassen hat. Dass er den grossen Schweizer “Ostsee” vermisst, wird aber immer wieder klar. Das macht das Buch zu einem idealen Geschenk für Liebhaber der Region, die Nachrichten auch mit einer Prise Salz vertragen.

Im Folgenden zwei Leseproben als Beispiele von Charlie Pfahlbauers Abstechern zurück aus der Gallenstadt in der Arschfalte an unseren grossen See:

“Nun mussten wir schnell entscheiden, wie wir zurück in die Gallenstadt gelangten, die jetzt freitags Akrisopolis, samstags Schüga Town und sonst immer schlicht Raiffeisen City hiess — wie gesagt, die Sponsoren bekamen hier wirklich was für ihre Kröten. Was wäre schlauer, auf dem gefährlicheren Seeweg durch Würthgart (ehemals Rorschach) und dann via Harrass-Stadt (Arbon) zu schleichen, oder bergwärts über Untereggen und durchs Pneu-Eggerstobel…? Rotbacke plädierte leidenschaftlich für die Seevariante, als uns wie aus dem Nichts eine Bande langnasiger Zwerge mit Pyrofackeln und Ostrandzonenfahnen attackierte.”

“1200 Appenzeller waren es, plus 600 Rheintaler und 350 Stadtsanktgaller, die damals, am 28. Juli 1489, als schwer bewaffnete Kriegshorde aus den Bergwäldern in unsere friedliche Siedlung einfielen. Sie verwüsteten die von unserem Lieblingsabt Ulrich frisch aufgebaute Klosteranlage und brannten die Bauten nieder; hernach plünderten sie zum See hin Beizen und Läden, sie töteten in trunkener Mordlust Hühner, Schweine, Tauben, sie leerten Fischgruben und warfen Gelten, Fässer, Karren um, sie zerschlugen Glasfenster und Backöfen, sie quälten redliche Fischer und wackere Wirtsleute. Vor allem Peter Dietrich vom Güldenen Löwen vor der Schifflände, allein ihm zu Recht und Ehr müssen wir ordentlich ein paar Appenzwerge schütteln. Man nannte es, manche von uns haben es als Schlachtruf auf ihre breiten Rücken geritzt: Rorschacher Klosterbruch. Es ist der Grund, warum unser famoses Städtchen keine Grossstadt geworden ist, dafür die Gallenstadt in ihrer Arschfalte sich entwickeln konnte, jedenfalls bis zum erbärmlichen Mittelding, das es heute ist.”

Das Buch ist ab Freitag in der Buchhandlung Wörterspiel in Rorschach erhältlich. Man darf auch hoffen das Pfahlbauer/Elsener bald auch einmal in Rorschach liest. Gemäss dem St. Galler Kulturjournalisten Peter Surber ist Rorschach nämlich das “Gegenprogramm zur Arschfalte”: Charlies Stammland, der grosse Pfahlbauersee mit der Mutter aller Pfahlbauten, der Badhütte. Hierhin führen alle Wege wie die Songlines inBruce Chatwins Australien, hier ist das Sehnsuchtsziel und Traumland, wenn auch bedroht von Quaggamuscheln und Kormoranen…“ (Text/Bild/PLakat: pd zvg)

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