Nach dem Wegsperren nun zur Willkommenskultur

Wir starten morgen in die 7. Lockdownwoche. Es wird eine Woche geben, in welcher zumindest kleine Teile von Betrieben wieder offen haben dürfen. Bau- und Gartencenter, Coiffeur- und Kosmetiksalons, Einrichtungen zur Selbstbedienung (Autowaschanlagen etc.), Arzt- und Zahnarztpraxen, Physiotherapien und Massagen sowie alle Eingriffe in den Spitälern sind wieder frei zugänglich. Ein kleiner Trost, wenn man bedenkt, dass weiterhin Treffen von mehr als 5 Personen verboten sind und Schulen, Restaurants und Barbetriebe, Campingplätze, Theater, Museen, Bibliotheken, Zoos und Botanische Gärten und sogar die Schwimmbäder geschlossen bleiben. Da sind Lockerungen erst ab dem 11. Mai (2. Etappe) und ab dem 8. Juni (3. Etappe) geplant. Der Bundesrat wird am kommenden Mittwoch den Fahrplan ein bisschen detaillierter erklären – hoffentlich. Was weiterhin bleiben wird ist dieses schale Gefühl in der Magengegend. Und das mag ich eigentlich auch nicht.

Spannend wird ja zu sehen sein, wie das morgen beispielsweise in den Gartencentern, Blumenläden und Coiffeursalons in unserer Gegend umgesetzt wird. Die Coiffeure dürfen sich auf eine arbeitsintensive Woche freuen, denn viele sind schon über die ganze Woche hinweg mehr oder weniger ausgebucht. Wie das dann aber im Einzelnen exakt aussieht und mit welchem Outfit wir uns da dann abmühen müssen wird man spätestens morgen erfahren.

Der spannendere Teil wird aber wohl der sein, wie wir uns persönlich mit dieser „Lockerung“ auseinandersetzen. Ich bin eigentlich einer, der die Schnauze voll hat von den digitalen Bussys und den virtuellen Apéros. Dass ich nicht dagegen opponiere, hat unter anderem auch damit zu tun, dass ich in den vergangenen sechs Woche weder zum Virologen noch zum Epidemiologen mutiert bin und schlicht auch keine Ahnung habe, was da rund um uns herum alles passiert (ist). Ich bin wahrscheinlich in vielerlei Hinsicht so fassungslos wie viele andere da draussen. Aber ich denke auch, dass das Spannendste (mit allem gebührenden Respekt all jenen gegenüber, die durch dieses Virus viel Leid und Trauer zulassen mussten) uns erst noch bevorsteht. Den Weg zurück zur Normalität wird es sinnbildlich wohl nicht mehr geben, da hat das Coronavirus ganze Arbeit geleistet. Ein Ansatz, der nicht einmal gross bestritten wird – was mich wiederum auch stutzig macht. Das würde dann auch heissen, dass wir eine neue oder andere Normalität mit aufbauen könnten. Dafür müssen wir eingetretene Pfade verlassen und auch den sicheren Hafen verlassen und schauen, wie das andere machen. Und vielleicht wird man ja auch irgendwo fündig, wie man das nach dem Wegsperren mit einer Willkommenskultur umsetzt. Wir werden noch lange beweisen können, was wir aus dem ganzen Schlamassel gelernt haben. Und wenn wir allenfalls nichts gelernt haben wäre das wohl fataler als eine zweite Welle. Gebt weiterhin auf euch acht.