Seestadt statt Hafenstadt statt Stadt am See

Eine Delegation des Rorschacher Stadtrats, geneigte Leserinnen, geneigte Leser, hat kürzlich ein Reisli nach Dornbirn unternommen. Vom Dornbirner Stadtrat Guntram Mäser, zuständig für Stadtmarketing und Tourismus, liess sich die Reisegruppe erklären, wie die Vorarlberger so viel Leben in ihre Innenstadt bringen. Ob die Gruppe zufälligerweise ein paar Rorschacher Einkaufstouristen begegnete, ist nicht überliefert. Resultat des Reislis war überraschenderweise die Erkenntnis, dass man in Rorschach die Leute vom Ufer ins Zentrum zu den Läden und Restaurants bringen muss. Genau das sieht das Rorschacher Stadtentwicklungskonzept mit der Neugestaltung der Hauptstrasse vor. Die konzeptionelle Vorarbeit dazu wurde 2007 abgeschlossen, die Auflage und das Plangenehmigungsverfahren von 2009 auf 2011 verschoben, der Baubeginn auf 2012 festgesetzt und bis heute nicht vollzogen. Gut Ding braucht Weil.

 Lange, lange Weil haben bisher die Projekte zur Renovation und Nutzung des Kornhauses gebraucht. Und werden sie auch in Zukunft brauchen. Bezüglich einer Renovation des Hotels Anker wird sich dessen Besitzer deshalb noch so lange gedulden, bis der Untergang des Rorschacher Wahrzeichens den freien Blick aus den Hotelzimmern auf den Bodensee erlaubt. Voran geht’s hingegen mit der Neugestaltung der Kornhaus-Umgebung mit einem Kabisplatz-Restaurant. Dieses hat die Stimmbürgerschaft zwar schon einmal abgelehnt, soll nun aber gemäss Rorschacher Geschäftsbericht 2017 diesen Herbst nochmals zur Abstimmung kommen. Für den Urnengang am 23. September 2018 gibt’s allerdings neben den drei eidgenössischen und einer kantonalen Vorlage bislang keine städtische. Gut Ding braucht Weil.

 Voll guter Dinge hat Rorschach gehofft, durch Neubauwohnungen eine Bevölkerungszunahme auf 10‘000 Personen zu erzielen, durch das Würth-Gebäude der ersten Phase 350 und jenem der zweiten 200 Arbeitsplätze zu gewinnen, durch die IG Stadt am See von 2012 bis im Jahr 2020 zum begehrtesten Wohn- und Lebensraum am Bodensee zu werden, durch einen Ausbau der nördlichen SBB-Linie und des Stadtbahnhofs mit dem vorgesehenen Baubeginn im Herbst letzten Jahres und aktuell dank eines Autobahnanschlusses bessere Verkehrsbedingungen zu bekommen. Inzwischen hat die Scapa ihren Betrieb nach Frankreich verlegt, inzwischen ruht das Restaurant des Stadthofs in Frieden, inzwischen verwaisen neben weitere Beizen mehr und mehr Ladenlokale. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Und deshalb hofft jetzt mit Ihnen, liebe Rorschacherin, lieber Rorschacher, dass im Herbst die neuen Autobahnschilder mit der Aufschrift „Seestadt Rorschach“ statt „St. Gallen-Bodensee“ eine markante Beschleunigung unserer Stadtentwicklung befördern

 Ihr Federfuchser