Stillstand als Fortschritt

Der Rorschacher Geschäftsbericht 2017, geneigte Mitbürgerinnen, geneigte Mitbürger, präsentiert im Auftakt die stadträtlichen Stossrichtungen für die Amtsdauer 2017 bis 2020. Vor zehn Jahren standen an dieser Stelle die Legislaturziele 2009 bis 2012. Was einst die „Legislaturziele“ waren, sind heute also die „Stossrichtungen“. Nach den unterschiedlichen Titeln sind dann drei Viertel der aktuellen Formulierungen Wort für Wort identisch mit jenen vor zehn Jahren. In einem Punkt aber ist der Rorschacher Stadtrat etwas bescheidener geworden. Während er früher Rorschach als Teil der Wohn- und Wirtschaftsregion St. Gallen-Bodensee verstanden hat, versteht er Rorschach heute als Teil des funktionalen Stadtraums Rorschach-Rorschacherberg-Goldach.

Nach wie vor gilt gemäss Geschäftsbericht: „Rorschach will auf 10‘000 plus wachsen“. Resultat dieses Willens ist während der vergangenen zehn Jahre ein Zuwachs von 545 Einwohnerinnen und Einwohnern (damals 8743, heute 9288). Und noch immer gilt: „Rorschach will einen tieferen Steuerfuss“, und dieser ist zwischen von 162 auf 146 gesunken. Dennoch sind die steuerkräftigen Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger offensichtlich ausgeblieben, war doch der Ertrag aus der Einkommens- und Vermögenssteuer 2017 um über 300‘000 Franken tiefer als 2008 – trotz der zwischenzeitlichen Bevölkerungszunahme!

Ebenso wie vor zehn Jahren setzt der Rorschacher Stadtrat zwecks 10‘000 plus noch heute auf hochwertige Neubauwohnungen. Diesbezüglich erwähnt er für 2008 als Projekte Seehof/Rathausplatz, Seehof West, Seehof Ost, die drei Hochhäuser im Stadtwald, Seeufer Ost und Löwengartenareal. Für 2017 erzählt er von demnächst bezugsbereiten Wohnungen Seehof und  Löwengarten sowie von Neubauwohnungen an der Ecke der Pestalozzi- und Indusriestrasse, auf den Arealen der Futtermühle Studer, der abgewanderten Scapa, des jetzigen Strandbads, des Coop-Parkplatzes sowie von einem Entwicklungspotenzial an der Löwenstrasse. Rechnet man die heute mehr als 200 leeren Rorschacher Wohnungen mit zu diesen vielversprechenden Aussichten, wird der Rorschacher Stadtrat eines Tages die Ziele seiner Amtsperiode nicht mehr aus alten Geschäftsberichten kopieren können. Darauf – und auf keinen weiteren Zuwachs an Leerwohnungen hoffend –  freut sich mit Ihnen, geneigte Leserin, geneigter Leser, schon heute

Ihr Federfuchser