Aus der Anonymität in die Pseudonymität…

Ich habe gestern Abend folgendes Mail erhalten und auf Wunsch des oder der AbsenderIn und wirklich im Sinne einer Ausnahme (!) hier der Wortlaut:

„Lieber Res Lerch

Danke für den Hinweis auf ADDA ADDA in Deinem Blog. Der Text besteht aus Zitaten. Zitaten einerseits von Literaten, Künstlern, Philosophen, Semiotikern, Soziologen, Psychologen zum Allgemeinen der Welt, andererseits aus Zeitungen, Websites, Büchern aus und über Rorschach sowie von mündlichen Äusserungen, die im Rorschacher Alltag zu hören waren. Das heisst, Autorin oder Autor des Buchtextes ist eine Vielzahl verschiedener Personen. Roland Barthes hatte 1968 den Tod des Autors erklärt, und Michael Foucault war ihm 1969 gefolgt. Sie hatten einen Machtwechsel im Sinne, es ging ihnen um die Ersetzung des Verfasser-Individuums durch die Leser-Funktion. Die Restfunktion des schreibenden Individuums bleibt die Aufgabe, den Fundus der Literatur auszuschöpfen und ihn mit einem aktuellen öffentlichen Diskurs zu kombinieren.

Andererseits will die Anonymität im Zusammenhang mit ADDA ADDA das Spielerische des Buches jenseits dieses Mediums fortsetzen. Der Buchtext enthält eindeutige Hinweise auf die Identität der dafür verantwortlichen Person, ebenso auch verwirrende Fährten. Vielleicht wird diese Person früher oder später entdeckt oder sich zu ihrer Verantwortung öffentlich bekennen – insbesondere natürlich, wenn sich ein juristischer Bedarf danach ergeben sollte, was allerdings kaum der Fall sein wird, denn die Zitate sind belegbar (bis auf jene, welche mündliche Äusserungen aus dem Rorschacher Alltag wiedergeben). Im Alltag wird meist darüber gesprochen, was andere sagen oder tun. Jede einzelne Äusserung setzt sich zusammen aus fremden Äusserungen nach eigener Gewichtung und ist versehen mit eigenen Kommentaren, die sich als Äusserungen wiederum in fremden Äusserungen festsetzen. Es wäre also falsch, die im Buchtext kolopierten Äusserungen aus dem Rorschacher Alltag als originäre Feststellungen oder Behauptungen einer einzelnen Person zu interpretieren.

Dass Publikationen anonym oder unter einem Pseudonym erfolgen, ist nicht ganz ungewöhnlich. Unter welchem Pseudonym veröffentlichten beispielsweise Johann Ulrich Megerle, Albert Bitzius, Gustav Meyer, Hans Gustav Bötticher oder Mary Westmacott ihre Bücher? Wer steckt beispielsweise hinter dem Pseudonym William Shakespeare, Ignaz Worbel, Richard Bachmann, B. Traven, Patrick Süsskind? Oder hinter der ausgebimmelten Hafenglocke oder hinter den Jerry-Cotton-Romanen oder hinter den SDA-Meldungen oder hinter all den Nicknames in Blogs und Chats?

Um aus der Anonymität in die Pseudonymität einzutreten, grüsse ich Dich, lieber Res Lerch, herzlich als

C.I. Neva“
adda-adda@gmx.ch

So, liebe/r C.I. Neva, Dein Wunsch ist erfüllt, Dein Mail steht in meinem Blog. Aber denke in Zukunft daran, dass man Mails nicht einfach kopieren und in Blogs stellen kann. Ich musste dies alles nochmals abtippen. Was nichts anderes heisst, dass ich dies jetzt einmal gemacht habe. Alles klar? Und danke für die Mailadresse. Die habe ich aber in der Zwischenzeit ganz am Schluss des Buches auch schon entdeckt.