Aus gegebenem Anlass:

«Rorschach hat ein Scheissproblem.» Das jedenfalls haben, geneigte Leserinnen, geneigte Leser, die «Bodensee Nachrichten» festgestellt. Zu guter Letzt kam auch der Rorschacher Stadtschreiber zu Wort. Und dies unter dem Titel: «Die Rorschacher Häufchen häufen sich.» Ihm ist aber dieses Problem nicht zu Ohren gekommen, er selbst hat keine diesbezüglichen Feststellungen gemacht. Also fehlt am Schluss des Titels das kleine Wörtchen «nicht». Nicht zufällig. Denn eine Zeitung, die über das schreibt, was nicht ist, interessiert niemanden. Wer will schon lesen, dass Donald Trump bei seinem Besuch in der Schweiz nicht in einem Rorschacher Hotel übernachten wird.

 Eine scheinbare Häufung von Hundehäufchen haben Leute blossgelegt, die der Hundenotdurft weit vorauseilen. Beim ebenso unvoreingenommenen wie geneigten Spaziergang auf dem Boden der Rorschacher Realität lässt sich aber eine Häufchenhäufung nicht entdecken – vielleicht sieht man da und dort bei ganz stark geneigtem Gang ein Häufchen, das man als aufrechter Mensch übersehen hätte: Wer unbedingt mehr Scheisse als früher sehen oder lesen will, wird also im Rorschacher Januarloch durchaus fündig.

 Aber vielleicht, vielleicht ist alles ganz anders. Vielleicht ist das erlesene Problem der «Bodensee Nachrichten», das keines ist, doch eines (und damit wäre deren Redaktion zu recht auf den Hund gekommen). Den Beweis servieren könnte ein «Bilderbogen» mit ein paar dutzend Fötelis der unappetitlichen Hinterlassenschaften (Datum, Uhrzeit, Ort nicht vergessen). Mit solch knallharter Recherche über die sich selbst häufenden Häufchen wäre Rorschach um ein zweifelhaftes Ruhmesblatt reicher.

 Was ich sonst noch zu sagen hätte, ist des Schreibens nicht wert. Damit wünscht Ihnen, werte Leserin, werter Leser, weiterhin keinen Eintritt in die gegenwärtigen Objekte einer lokaljournalistischen Begierde

 Ihr Federfuchser